„Gebet ist die stärkste Waffe“

Father Tom Uzhunnalil war Geisel der IS-Terrormiliz – jetzt spricht er über die Kraft des Gebets

Salzburg. Der indische Priester Tom Uzhunnalil war 18 Monate lang Geisel der IS-Terrormiliz. Jetzt sprach er auf Einladung der Päpstlichen Missionswerke (Missio) im Bischofshaus über seine Erlebnisse und wandte sich mit einer starken und hoffnungsvollen Botschaft an die Zuhörenden:  „Verurteilt nicht, betet. Das Gebet ist die stärkste Waffe, Vergebung die stärkste Medizin.“   

Ein Mann auf den Stufen einer Flugzeugtreppe, abgemagert, weißes Haar und langer Bart. Dieses Bild steht am Ende von 557 Tage Geiselhaft. Es zeigt den Salesianer Tom Uzhunnalil wenige Stunden nach seiner Befreiung. Father Tom ist heute rein optisch betrachtet ein anderer. „Das ist nur das Äußere. Ich bin immer der Gleiche geblieben, auch während der Gefangenschaft“, erklärt der Salesianer, der im „Außerordentlichen Monat der Weltmission“ als Missio-Gast Österreich besucht und dabei in Salzburg Station machte. Seine Herzensanliegen: Zeugnis geben über die Vorsehung Gottes, Vergebung  und die Macht des Gebets.   

„Gott hatte noch etwas mit mir vor“

 „Ich war völlig isoliert und wusste nicht was in der Welt vor sich ging. Die einzigen Geräusche die ich hörte kamen von Flugzeugen oder den Bombeneinschlägen.“ So beschreibt Father Tom die Zeit in der Hand islamistischer Terroristen im Bürgerkriegsland Jemen. Angst hatte er keine und nie habe er gefragt: „Warum ich?“ Er sei überzeugt, Gott habe für jeden und jede eine bestimmte Mission. „Mit mir hatte er noch etwas vor. Er wollte dass ich den Menschen Zeugnis geben kann von der Stärke des Gebets.“    

P. Tom Uzhunnalil war seit 2010 als Missionar im Jemen. Er wohnte bei den Mutter-Teresa-Schwestern, die sich in ihrem Haus in der Hauptstadt Aden um alte Menschen kümmerten. Über seine Entführung und Gefangenschaft spricht er ganz ruhig. „Am Morgen des 4. März 2016 war ich nach der eucharistischen Anbetung mit den Schwestern noch in der Kapelle. Plötzlich gab es Schüsse. Ich lief nach draußen und sah die bewaffneten Männer.“ Er musste mit anhören und ansehen wie sie zwölf Angestellte und vier der fünf Ordensfrauen töteten. „Ich habe in diesen Minuten nichts gedacht. Ich habe gebetet, dass Gott barmherzig ist mit den Schwes-tern und mit den Tätern.“ Die Terroristen fragten Father Tom schließlich, ob er Muslim sei. „Ich bin Christ.“ Nach dieser Antwort glaubte er, nun sei er an der Reihe zu sterben. Er wurde jedoch gefesselt und mit verbundenen Augen in einen Kofferraum verfrachtet und zu einem Haus in Aden gebracht. Das war der Beginn seiner eineinhalbjährigen Gefangenschaft. Wo genau er sich befand und wer ihn gekidnappt, ob die Leute zum IS oder zu Al Kaida gehörten, wusste der Salesianer nicht. „Sie haben mir alles genommen, nur meine Seele nicht“, sagt Father Tom, der aber gleichzeitig unterstreicht: „Meine Entführer haben mich nie geschlagen oder gefoltert. Sie gaben mir Essen.“   

Für die Entführer gebetet   

18 Monate lang war Father Tom in einer absoluten Ausnahmesituation. Trotzdem, so betont er, habe er keine mentalen Zusammenbrüche erlitten. „Ich habe bis heute keine Alpträume oder Depressionen.“ Das verdanke er dem Gebet und der Gnade Gottes, hat der Priester keine Zweifel. „Ich begann den Tag mit dem Engel des Herrn, gefolgt von einem Vater unser und einem Ave Maria für jede einzelne getötete Schwester. Dann betete ich für meine Provinz, für die Kongregation, die Pfarre, die Familie…  und ich betete für meine Entführer. Ich hatte keine Hostien und keinen Wein, aber ich feierte die Messe auf geistige Weise jeden einzelnen Tag.“  

Father Toms Gefangenschaft endete am 12. September 2017. Die Hintergründe seiner Freilassung sind ihm nicht bekannt. Als seinen Auftrag sehe er es, den Menschen weltweit zu danken und über die Stärke des Gebets zu sprechen. „Christen, Muslime und Hindus haben für mich gebetet. Dass ich lebe, ist die Frucht des Gebetes.“  

Sieben Mutter-Teresa-Schwestern sind noch im Jemen. „Nicht mehr in Aden, an drei anderen Standorten. Ich hoffe, ich kann eines Tages zurück. Der Krieg geht weiter, die Menschen leiden“, weiß Father Tom Uzhunnalil, der nochmals auf das Gebet verweist: „Beten wir für alle Menschen, die von Gewalt betroffen sind und für alle verfolgten Christen.“

Foto: „Jeder hat eine Mission“, ist der indische Priester Tom Uzhunnalil überzeugt. Seine Mission war es, bei den Mutter-Teresa-Schwestern im Jemen zu dienen, auch dann noch, als der Bürgerkrieg ausbrach. Im März 2016 geriet der Salesianer in IS-Gefangenschaft. 

Foto: RB/ibu