Geborgen bis zuletzt

Raphael Hospiz – ein Haus mit einer besonderen Atmosphäre.

Salzburg. Der Tod des Kindes ist wohl das Schwerste, was Eltern erleben können. Monika und Oswald Greinz haben ihren Sohn verloren, mit 39 Jahren. Seine letzten Monate verbrachte der Krebskranke im Raphael Hospiz Salzburg. In das Haus in der Dr.-Sylvester-Straße kehrt das Ehepaar aber gerne zurück. „Ich habe hier so viel Liebe erfahren“, betont Monika Greinz, die heuer wieder einen Benefizmarkt organisierte. Zum Adventauftakt war auch Erzbischof Franz Lackner zu Gast, der kürzlich die Schirmherrschaft für das Hospiz übernommen hat.   

Dienstags gibt es im Hospiz ein Zusammensein bei Kaffee und Mehlspeisen. „Vom Pflegeteam hat  damals immer jemand geschaut, dass es für unseren Buben gut passt“, erzählt Monika Greinz. Auch heute sitzt sie an dem runden Tisch und es steht ein Kaffeehäferl vor ihr. Sie berichtet von der besonderen Atmosphäre, der Herzlichkeit und Geborgenheit im Haus. Fixe Besuchszeiten gebe es keine. „Wir durften sogar unseren Familienhund mitbringen, das hat den Alexander sehr gefreut. Ja, wir hatten noch glückliche Tage miteinander.“ Sie hätten öfter über den Tod gesprochen, „aber wenn es so weit ist, bist du nicht vorbereitet“. Der Schmerz sei unendlich gewesen, doch sie sei aufgefangen worden. „Und wir hatten genügend Zeit, in Ruhe Abschied zu nehmen“, beschreibt Oswald Greinz die letzten Stunden mit dem Sohn.   

Monika Greinz ist eine emsige Handarbeiterin. Sie und ihre Freundinnen haben das Jahr über zig Socken, Hauben und Schals gestrickt, die jetzt beim Adventmarkt Begeisterung auslösen. Der Erlös kommt dem Hospiz zugute. „Die Idee dazu hatte noch unser Sohn. Er hat sich so wohl gefühlt im Haus. Eines Tages sage er: Mama, du musst was für das Hospiz tun. Du kannst doch so gut stricken.“ 

Schmerzfrei und selbstbestimmt leben

„Leben und Tod gehören zusammen“, un-terstreichen Monika und Oswald Greinz. Diesem Satz stimmt Walter Böhm hundertprozentig zu. Er ist einer von 23 Freiwilligen, die wie Böhm sagt, eine „Ehrentätigkeit“ im Hospiz versehen. „Den Begriff Ehrenamtlicher mag ich nicht, doch als Ehre empfinde ich es auf jeden Fall.“ Er spreche viel mit den Leuten, „und manchmal reicht es schon, einfach anwesend zu sein. Da braucht es keine Worte“.   

Die geschulten freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind eingebettet in ein interprofessionelles Team, das angefangen bei drei Ärztinnen, Gesundheits- und Krankenpflegerinnen unter anderem eine Seelsorgerin und eine Therapeutin für „heilende Berührung“ umfasst. Diese Vielfalt ermöglicht es auf die individuellen Bedürfnisse einzugehen und den Menschen ein würdiges, weitgehend schmerzfreies und selbstbestimmtes Leben bis zum Tod zu sichern. „Schön ist es“, beteuert der diplomierte Sozialarbeiter Werner Gruber, „wenn noch Herzenswünsche in Erfüllung gehen.“ Und sei es über Umwege. Gruber erinnert sich an einen Patienten, der begeisterter Bergsteiger war. „Noch einmal auf den Untersberg? Das war unmöglich. Seine Tochter ging für ihn und sendete mit einem Spiegel Signale, die er vom Garten aus sehen konnte.“

Die acht Palliativ-Betten im Hospiz sind alle besetzt, die Warteliste lang. „Heuer sind es schon 170 Menschen, die nicht sofort einen Platz bekommen“, bedauert Gruber.  170 Euro ist der Tagessatz für die Bewohnerinnen und Bewohner. Die Kosten sind freilich um einiges höher. Nach Abzug des jährlichen Pauschalbetrages, den das Land beisteuert, bleibt noch rund ein Drittel offen.  Spenden sind daher sehr willkommen. Wichtige Unterstützung leistet der „Verein der Freunde des Raphael Hospizes Salzburg“.

Ein Abend mit dem Erzbischof

Im Jahr 2002 wurde das Raphael Hospiz als Helga Treichl Hospiz gegründet. Seit der Übernahme durch die Barmherzigen Brüder 2014 trägt es den Namen des Erzengels Raphael. Er ist der Begleiter des Tobit im Alten Testament, Engel der Heilung und Behüter der Kranken in den christlichen Engelsvorstellungen. „Von Engeln behütet, von Menschen beschirmt“, hieß es auch zum Adventauftakt, zu dem der Verein einlud. In einer Gesprächsrunde diskutierten Erzbischof Franz Lackner, Christina Repolust, Erwachsenenbildnerin und Mitarbeiterin im Seelsorgeamt, Elisabeth Resmann vom DomQuartier und Künstler Johann Weyringer, der schon viele Engel gemalt hat und dem Hospiz mit seinen Werken benefizmäßig immer wieder Segen bringt. 

Foto (ibu): Oswald und Monika Greinz aus Oberplainfeld mit Walter Böhm (r.), der ehrenamtlich im Hospiz arbeitet und eine der Hauben testet, die für den Adventmarkt bestimmt sind.