Gemeinsam im Glauben wachsen

Gemeinsamer Hirtenbrief der vier Bischöfe aus den Partnerdiözesen 

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Am Gute-Hirte-Sonntag denken wir an Christus, sowohl als Lamm als auch als Hirten. Er ist das Osterlamm, dessen Blut die große Schar aus allen Nationen, Völkern und Sprachen rein gewaschen hat (vgl. Offb 7,9). Dasselbe Lamm wird der Hirte sein, der seine Schafe kennt; auf dessen Stimme sie hören und der sie auf dem Weg zum ewigen Leben folgen (vgl. Joh 10,27). Die Beziehung zwischen Hirte und seinen Schafen geschieht durch den Glauben. Der Glaube kommt vom Hören, so der Apostel Paulus (vgl. Röm 10,17). Und von Johannes dem Täufer heißt es: Ich höre seine Stimme. Und diese Freude ist für mich Wirklichkeit geworden (vgl. Joh 3,29). Als Christen und Christinnen sind wir eine weltweite Hör- und Horchgemeinschaft. Wir tun dies mit großer Freude und in freundschaftlicher Verbindung mit unseren Brüdern und Schwes-tern in den Partnerdiözesen.

Unterschiede, aber im Glauben vereint 

2. Im vergangenen Jahr haben wir 50 Jahre weltkirchliche Diözesanpartnerschaften zwischen den Diözesen Salzburg (Österreich), Daegu (Südkorea), San Ignacio de Velasco (Bolivien) und Bokungu-Ikela (Dem Rep. Kongo) gefeiert. Dies war eine sehr intensive Zeit der Begegnung, des Gebets und der Dankbarkeit, eine Möglichkeit des Austausches und des Aufeinanderhörens. Es wurde deutlich, dass wir in ganz verschiedenen Welten leben, und doch in der Einen Welt zuhause sind. Die Unterschiede beziehen sich auf die Sprache und Kultur, aber auch auf die jeweiligen politischen, sozialen, wirtschaftlichen und religiösen Kontexte, in denen wir leben.

3. Dennoch bilden wir eine Gemeinschaft und gehören zusammen. Der Glaube an Jesus Christus und an sein Evangelium verbindet uns. Natürlich drücken wir diesen Glauben auf unterschiedliche Art und Weise aus und doch glauben wir an den einen Gott. Wir teilen unsere Erfahrungen im Glauben und erzählen von dem, was Gott bei uns gewirkt hat. Und mit Neugier hören wir davon auch von den anderen. Unsere Lebenswirklichkeiten sind sehr verschieden, und doch stehen wir vor ähnlichen pastoralen Herausforderungen. Daher können wir zusammenarbeiten und gemeinsam Antworten auf die Fragen unserer Zeit finden. Unsere gemeinsame Mission ist, Jünger und Jüngerinnen Christi heranzubilden.

Zusammen sind wir auf dem Weg und gehen in der Nachfolge Jesu, so wie die Schafe der Stimme ihres Hirten folgen. Und so möge aus unserer Weggemeinschaft nach und nach eine Lerngemeinschaft werden, die fähig ist zu unterscheiden, um unsere Mission angesichts der aktuellen Herausforderungen zu erfüllen.

Wir leben unser Miteinander und möchten es vertiefen

4. Wir wollen

- uns gegenseitig informieren und hören, was der Geist den Gemeinden sagt (vgl. Offb 2,7). 

- uns ermutigen und geschwisterlich korrigieren, wie es auch die Sendschreiben an die sieben Gemeinden zum Ausdruck bringen.

- uns gegenseitig bereichern und inspirieren. 

- andere Blickwinkel und Perspektiven einnehmen, um den anderen besser zu verstehen.

- unseren Blick weiten und uns ermutigen, neue Wege zu beschreiten.

- füreinander beten und gemeinsam Gottesdienst feiern.

- uns gegenseitig unterstützen (materiell, personell, ideell).

- ein offenes Gespräch miteinander führen und voneinander lernen. 

 

5. Unsere weltkirchliche Partnerschaft ist wie ein Netz, das die Erde umspannt. Ein Netz, das uns Sicherheit und zugleich Freiheit gibt. Unsere Freundschaft ist nicht ausschließlich, sondern beispielhaft. Wir zeigen damit, wie wir Weltkirche konkret leben und gestalten. Mit der 50-Jahr-Feier unserer weltkirchlichen Partnerschaft bleiben wir nicht stehen und ruhen uns auf dem Erreichten aus, sondern wir leben unser Miteinander weiter und vertiefen es. Wie Paulus und Barnabas werden auch wir weiter wandern, neue Aufbrüche wagen. Sie kamen immer wieder in fremde Ortschaften und fanden ein offenes Ohr. Das möge auch für uns gelten. So wie die Menschen Paulus und Barnabas aufgenommen und auf sie gehört haben, so nehmen wir unsere Freunde aus der Fremde bei uns auf und hören, was sie uns zu sagen haben, zum Beispiel: Delegationen, Jugendliche, Priester oder auch Freiwillige aus den anderen Diözesen. Denn sie werfen einen Blick von außen auf unseren Alltag und können so Haltungen und Abläufe ansprechen und hinterfragen, die für uns selbstverständlich sind.

6. Als Kinder Gottes drängt uns die Sehnsucht dazu, die Tugenden Glaube, Nächstenliebe und christliche Hoffnung umzusetzen und zu leben, um im Glauben zu wachsen und zu reifen. Wir wissen, dass wir dabei nicht allein sind. „Wer glaubt, ist nie allein!“ (Benedikt XVI.) In dieser Gewissheit fördern wir diese geschwisterliche Verbundenheit über alle Grenzen hinweg. Möge sie sich zu einer immer intensiveren Freundschaft entwickeln, untereinander und mit dem Guten Hirten, Jesus Christus. Auf Seine Stimme wollen wir hören und Ihm folgen.


Franz Lackner OFM
Erzbischof von Salzburg
Österreich

Thaddeus Cho Hwan-kil
Erzbischof von Daegu
Südkorea

Robert Flock
Bischof von San Ignacio
de Velasco
Bolivien

Emery Kibal Nkufi Mansong’loo C.P.
Apostolischer Administrator von Bokungu-Ikela
Dem. Rep. Kongo

 

Hintergrund

Den Impuls für das Bischofsschreiben gab der 50. Geburtstag der Diözesanpartnerschaften im vergangenen September. Die „Jubiläums-Feiertage“ in Salzburg seien eine sehr intensive Zeit der Begegnung, des Gebets und der Dankbarkeit sowie eine Möglichkeit des Austausches und des Aufeinanderhörens gewesen, so die Bischöfe, die sich jetzt erstmals in einem Hirtenbrief zu Wort melden. 

Ein Hirtenbrief – vier Bischöfe – vier Sprachen – vier Kontinente

„Die Bischöfe haben nicht jeder ein eigenes Statement geschrieben, sondern ein ge-meinsames Schreiben verfasst. Das war allen sehr wichtig. Der vierte Sonntag der Osterzeit ist dazu bewusst gewählt. Es ist der Gute-Hirte-Sonntag, an dem die Bischofsworte in den Gottesdiensten der Pfarren verlesen werden. Natürlich in der jeweiligen Landessprache, also neben Deutsch, auf Spanisch, Koreanisch und Französisch“, erklärt Markus Roßkopf, Referent für Weltkirche in der Erzdiözese Salzburg und für die Diözesanpartnerschaften zuständig. Der Hirtenbrief gehe auf die Lesungen dieses Sonntags ein, in denen vom Hören die Rede sei. „Das Hören und Zuhören sind ganz zentrale Punkte in den Diözesanpartnerschaften“, so Roßkopf, der auch betont: „Die Diözesanpartnerschaft ist nach jetzt mehr als 50 Jahren keineswegs an einem Endpunkt angekommen.“ Wie auch der Hirtenbrief unterstreiche, solle das Miteinander vertieft werden. 

„Weltkirche ist natürlich sehr groß. Mit den Partnerdiözesen verwirklichen wir Weltkirche im Kleinen.“ Und trotz der Unterschiede gebe es Herausforderungen, die alle vier Diözesen betreffen: Jugendarbeit, Schöpfungsverantwortung, Gemeinden ohne Priester oder die Rolle von Kirche in der Gesellschaft. Er könne sich alle paar Jahre gemeinsame Treffen zu einem bestimmten Thema vorstellen, bei denen es um folgende Fragen gehe: Wie macht ihr das? Was können wir voneinander lernen? Wo können wir uns gemeinsam positionieren? 

Bestehen bleiben daneben die bilateralen Beziehungen mit jeder einzelnen Diözese. Wie Roßkopf informiert, stehe mit Daegu aktuell der Austausch zum Bereich Bildung im Fokus. In Bokungu-Ikela gehe es um die Unterstützung bei der Sanierung von Katechisten-Häusern. Spannend im Zusammenhang mit San Ignacio sei die Bischofssynode zum Amazonas-Gebiet diesen Oktober im Vatikan. „Unsere Partnerdiözese in Bolivien ist hier direkt betroffen und Bischof Robert Flock Teilnehmer des Bischofstreffens.“ Eine Mitarbeiterin des Bischofs, Sr. Aline Silva dos Santos, kommt im Vorfeld der Amazonas-Synode, am Montag, 22. Juli, ins Salzburger Bildungszentrum St. Virgil.
    

Foto1: Freude beim Anschneiden der Geburtstagstorte zum 50-Jahr-Jubiläum der Partnerschaft. Im Bild v.l.: Weihbischof der Erzdiözese Daegu, John Bosco Chang Shin-Ho, Franz Lackner OFM, Erzbischof der Erzdiözese Salzburg, Emery Kibal Nkufi Mansong’loo C.P., Apostolischer Administrator von Bokungu-Ikela und Robert Flock, Bischof von San Ignacio de Velasco. 

Foto2: Weltkirche-Referent Markus Roßkopf mit dem gemeinsamen Hirtenbrief der Partnerbischöfe in den Sprachen der Partnerdiözesen: Deutsch, Spanisch, Französisch und Koreanisch. 

Fotos: RB/Referat Weltkirche/ibu