Gemeinwohl oder Gewinnmaximierung

Laudato si. Das unbestrittene Recht auf Eigentum ist nicht absolut, sondern immer relativ, weil es die soziale Verpflichtung der Besitzenden einschließt.

Johann Neumayer, Umweltreferent der ED

Salzburg. Der Markt regelt eben nicht alles und weil alle Menschen ein Anrecht auf ein Leben in Würde haben, ist es unabdingbar, die soziale Verpflichtung der Besitzenden einzufordern. Papst Franziskus referiert den traditionellen Standpunkt der Katholischen Soziallehre und betont ebenso traditionell die Subsidiarität: Größere gesellschaftliche oder staatliche Einheiten sollen Dinge nur dann regeln, wenn die kleinere Einheit nicht in der Lage ist, Probleme zu lösen oder zu helfen.

In einer globalisierten Welt ist auch das Gemeinwohl global zu sehen: Man kann sich nicht damit abfinden, dass Menschen unwürdig vegetieren müssen, während die Reichen nicht nur den Armen Wohlstand vorenthalten, sondern die Erde auch noch überproportional verschmutzen. Aus der Tatsache, dass alle Menschen Kinder desselben Gottes und Teil derselben Schöpfung sind, folgt, dass die Güter dieser Schöpfung allen in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen müssen. So klar und so nüchtern sieht das Papst Franziskus und eckt damit an. Denn zu sehr hat sich in die Köpfe eingebrannt, dass nur der Gewinn und der Markt alles regeln.

Dasselbe gilt in Bezug auf die zukünftigen Generationen: Es gibt kein Recht, Ressourcen auszubeuten und die Erde zu verschmutzen mit Folgen für die Generationen nach uns.
Es ist weniger das epochal Neue sondern die konsequente Anwendung anerkannter Prinzipien der Sozialethik, die Papst Franziskus zu weitgehenden Schlüssen bringt – und auch uns bringen müsste.

„Welche Art von Welt wollen wir denen überlassen, die nach uns kommen, den Kindern, die gerade aufwachsen?“ (LS 160) Foto: Alexandra H./pixelio.de