Glaube ist stärker

Weißrussland. Kardinal Christoph Schönborn hat als Sondergesandter des Papstes an den Feiern zum 25. Jahrestag der Errichtung der Erzdiözese Minsk-Mohilev teilgenommen. 

 

 

Minsk/Wien. Neben den Jubiläumsfeiern standen die Bedeutung der Religionsfreiheit für die positive Entwicklung einer Gesellschaft und die Möglichkeit eines Besuchs von Papst Franziskus im Fokus der Reise. Bei allen Gottesdiensten und Gesprächen unterstrich Kardinal Schönborn, dass sein Besuch als großes Zeichen der Wertschätzung von Franziskus gegenüber Weißrussland zu verstehen sei. Dem Papst liege sehr viel an diesem Land, das als Vermittler hoffentlich auch eine wichtige Rolle zur Beendigung des Ukraine-Konflikts einnehmen werde. 

Im Marienwallfahrtsort Budslau feierte der Wiener Erzbischof gemeinsam mit dem Minsker Erzbischof Tadeusz Kondrusiewicz einen Gottesdienst mit Lichterprozession. Das Marienheiligtum habe die Schrecken des Nationalsozialismus und Kommunismus überstanden. Der Glaube der Menschen sei stärker gewesen. „Selig ein Land, das glaubt“, so der Kardinal vor 30.000 Gläubigen. Er sprach in seiner Predigt die Bedeutung der Familie an. Totalitäre Regime, von denen gerade Weißrussland in der Vergangenheit genügend erlebt habe, wollten die Institution Familie zerstören. „Wir glauben aber an die Kraft der Familie“, betonte Schönborn, der in Minsk auch eine neue katholische Kirche weihte. Es war die erste Kirchweihe seit 105 Jahren, wahrscheinlich werden aber demnächst weitere folgen. Fünf weitere katholische Kirchen sind in der weißrussischen Hauptstadt in Bau. Etwa 15 Prozent der rund zehn Millionen Einwohner Weißrusslands bekennen sich zur katholischen Kirche. Von allen russisch-orthodox geprägten Ländern ist es das Land mit der größten römisch-katholischen Minderheit. 

Erinnerung an NS-Opfer

Während seines Weißrussland-Besuchs hat Schönborn auch die Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus in Trostinec nahe der Hauptstadt besucht. Von den bis zu 13.000 per Bahn von Wien nach Trostinec deportierten jüdischen Wienerinnen und Wienern überlebten nur 17 Personen.  Insgesamt sollen bis zu 60.000 Menschen in dem Lager und Umgebung den Tod gefunden haben. Derzeit sind Bemühungen um die Erweiterung der Gedenkstätte im Gang, die vor allem den Wald von Blagovscina betreffen und an denen auch Österreich beteiligt ist.               

kap

Foto (catholic.by): „Selig ein Land,  das glaubt“, erklärte Kardinal Christoph Schönborn bei seinem Weißrussland-Besuch als Gesandter des Papstes.