Gräberschmuck aus Schülerhand

Der Gang auf den Friedhof zu Allerheiligen und Allerseelen hat Tradition. Zuvor werden die Ruhestätten der Verstorbenen geschmückt. Genau das machen auch SchülerInnen der Polytechnischen Schule (PTS) in Mattsee. Mit einem kleinen, aber entscheidenden Unterschied: Sie kümmern sich um „fremde“ Gräber.  „Entweder gibt es keine Angehörigen mehr oder sie leben weiter weg und können die Gräber deshalb nicht betreuen“, erklärt Gabriele Wührer, die am PTS Religion unterrichtet.   

Mattsee. In der Woche vor dem „Doppelfest“ Allerheiligen und Allerseelen geht Gabriele Wührer mit ihrer Klasse auf den Mattseer Friedhof. Dann wird geschaut, was zu tun ist. „Wahrscheinlich müssen wir als Erstes Unkraut zupfen“, weiß die Pädagogin aus Erfahrung. Sie berichtet, dass die jungen Leute stets mit Freude ans Werk gehen. „Sie sehen ja das Vorher und Nachher bei den Gräbern. Wenn dann alles schön geschmückt ist, sind sie schon stolz auf ihre Arbeit.“ Die Gestecke aus Moos und Ästen haben die SchülerInnen schon vorher fabriziert. „Meist sind es Herz- oder Kreuzformen“, erklärt Wührer, die sich mit ihren Schützlingen  natürlich nicht nur mit dem Praktischen und dem Gräberschmuck beschäftigt. „Wir besprechen Allerheiligen und Allerseelen – was wir da eigentlich feiern. Wir thematisieren Tod und Sterben.“ Gabriele Wührer unterstreicht, dass sich da oft erstaunliche Diskussionen rund um Religion, Gott und Glauben ergeben. „Das ist mitunter sensationell. Die Jugendlichen haben schlagende Argumente.“ Die Lehrerin verschweigt aber auch nicht, dass die Abmeldung vom Religionsunterricht im Poly keine Seltenheit mehr ist. „Doch die, die dann dabei sind, erlebe ich als sehr motiviert.“ 

Verbundenheit mit den Verstorbenen

Die SchülerInnen in Mattsee gestalten auch jeweils ein Gesteck, das sie mit heimnehmen und auf ihre Familiengräber legen. Oft geht mit Allerheiligen bzw. Allerseelen ein Familienfest einher. Der erste und zweite November sind vielleicht zwei der wenigen Tage im Jahr, an denen Familien in ihrem Ursprung an einem bestimmten Ort zusammenkommen. Gerade Allerseelen soll dabei kein Trauertag sein, sondern Ausdruck der Verbundenheit mit den Verstorbenen und der Hoffnung auf Auferstehung.

Foto (ibu): Traditionell schmücken die Menschen zu Allerheiligen und Allerseelen die Gräber von Verwandten und Freunden mit Blumen und Gestecken – in Mattsee übernehmen SchülerInnen der Polytechnischen Schule für einige nicht betreute Gräber die Pflege.