Halleiner „Tschikweiber“

Noch einige in Hallein wissen von wem die Rede ist, wenn von den „Tschikweibern“ gesprochen wird. Gemeint sind die Zigarrenfabriksarbeiterinnen, die Ende des 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der Halleiner Tabakfabrik ihrer Arbeit nachgingen. 

Hallein. Es waren ehemalige Salzarbeiterinnen, die in der Fabrik angestellt wurden, die 1869 die Produktion aufnahm. Damals noch im Gebäude des ehemaligen Schwärzbräus am Kornsteinplatz,  nach der Umsiedelung 1870 in der neu errichteten Tabakfabrik in Burgfried. 1940 wurde der Betrieb von den Nationalsozialisten geschlossen, die Grill-Werke zogen ein, dadurch entstand während des Zweiten Weltkrieges ein Zentrum für die Rüstungsindustrie.

Was die Tschikweiber auszeichnete: Sie waren gewerkschaftlich gut organisiert. Die Bekannteste unter ihnen war die Widerstandskämpferin Agnes Primocic. Die im Jahr 2007 102-jährig verstorbene Halleinerin war Gewerkschafterin und Betriebsrätin in der Fabrik. Vielen ist sie ein Begriff, Wolfgang Wintersteller kannte sie persönlich. Der pensionierte Historiker und Lehrer hat sich intensiv mit ihr beschäftigt. Zudem verbinden familiäre Wurzeln den Halleiner mit dem ehemaligen Tabakindustriestandort in der Salinenstadt. Seine Großmutter war dort bis zu ihrer Pensionierung jahrelang beschäftigt. „In manchen ihrer Erzählungen kamen die Tschikweiber, die Atmosphäre im Betrieb und die Verdienstmöglichkeiten vor“, erinnert er sich.

Voller Selbstbewusstsein

Den Tschikweibern sagt man ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein nach. Zum einen war für die Herstellung, das Drehen, Spinnen, Sortieren und Verpacken der Zigarren besondere Fingerfertigkeit gefragt, zum anderen war der Verdienst sehr gut. Eine Arbeiterin verdiente oftmals mehr als ein Mann oder sicherte gar den Lebensunterhalt der Familie. Wintersteller bestätigt das: „Sie verdiente mehr als mein Großvater, das hat sie ihn auch oft deutlich spüren lassen.“ Die berufliche Eigenständigkeit sei etwas, das man von den Tschikweibern für heute lernen kann, so Wintersteller, denn: „Damit haben sich die Frauen damals eine Situation geschaffen, die es ihnen ermöglichte, selbstbewusst gegenüber den Männern aufzutreten.“ lsg

 

Bildtext: Produktionsstätte mit Arbeiterinnen der Tabakfabrik Hallein, um 1900. Foto: Keltenmuseum Hallein | Stadtarchiv Hallein

 

TIPP: „Tschickweiber haums uns g’nennt...“ mit Wolfgang Wintersteller: Fr., 15. 6., 15.00 Uhr, Frauentreff Salzburg-Klessheim, Gemeinschaftsraum der „Rosa Zukunft“, Rosa-Hofmann-Str. 6, Anm. und Infos: Tel. 0662/429553, www.matthaeuskirche.at.