Haus des Alphabets

„Gutes tun und es professionell tun.“ Dieses Motto setzt Pater Ziad Hadad als Lazaristen-Provinzial und Leiter von Beth Aleph um, dem Haus des Alphabets in Beirut. Hier lernen Mädchen und Buben, die anderswo keine Chance bekommen – die Kinder der zahlreichen afrikanischen oder asiatischen ArbeitsmigrantInnen im Land und Kinder aus syrischen Flüchtlingsfamilien. 

Beirut. Sudan, Bangladesch, Sri Lanka, Irak, Syrien, Madagaskar, Eritrea… im Haus des Alphabets ist diese bunte Mischung gelebter Alltag. Kinder aus zwölf Nationen sitzen in den Klassenzimmern der Vorschule im christlichen Viertel Achrafieh in Beirut. Ihre Gemeinsamkeit: Sie sind alle im Libanon geboren. Offiziell existieren sie gar nicht. Die Eltern sind meist illegal im Land, rechtlos, ausgebeutet und ohne Dokumente für sich oder ihren Nachwuchs. Ein Umstand, der vieles und vor allem den Schulbesuch zum Problem macht: keine Papiere, kein Zugang zu Bildung. „Die Sozialarbeiterinnen kümmern sich darum, begleiten die Eltern zu Ämtern oder organisieren bei Bedarf rechtlichen Beistand“, so P. Ziad. 

Die Mädchen und Buben selbst werden in Beth Aleph auf die Integration in das Regelschulsystem vorbereitet. „Das ist eine Herausforderung, die aber gelingt. ,Unsere‘ Kinder erhalten den bestmöglichen Unterricht und starten damit sogar mit einem Vorsprung gegenüber den gleichaltrigen libanesischen“, berichtet der Lazarist. Er betont noch einmal wie entscheidend der Schritt in die öffentlichen Schulen ist, den die Kinder ohne Beth Aleph nie gehen könnten. 

Vielfalt als Bereicherung

Vielfalt, Mehrsprachigkeit, religiöse und kulturelle Unterschiede sind in der Vorschule keine Störfaktoren. „Wir sehen das als Bereicherung. Die Herkunftsländer der Eltern sind selbstverständlich Thema. Die Kinder sollen sich nicht minderwertig fühlen. Im Libanon haben sie selten Gelegenheit stolz auf ihre Wurzeln zu sein“, erklärt Projektkoordinatorin Suzanne Abi Ghanem. P. Ziad  formuliert es weniger diplomatisch: „Sie leben in einer Gesellschaft, die sich ihnen gegenüber sehr rassistisch verhält. MigrantInnen werden von oben herab behandelt.“ Umso wichtiger sei es, sich für die Rechte der Kinder einzusetzen, sie zu schützen, zu stärken und ihnen Selbstbewusstsein zu vermitteln. 

Hätte P. Ziad Hadad einen Wunsch frei, er würde gleich morgen Beth Aleph-Ableger außerhalb Beiruts einrichten. „Der Bedarf ist da. Nur fehlen uns die Mittel.“ Leider gebe es auch keine andere Organisation, die sich um Kinder von MigrantInnen kümmere. „Da sind nur wir. Und wir können unsere Arbeit nur dank der Caritas Salzburg tun.“

Gemeinsam lachen und lernen 

Fröhliches Gewusel auf der einen und konzentriertes Lernen auf der anderen Seite. In Beth Aleph hat beides seinen Platz. Die Kleinen im Alter zwischen drei und sieben Jahren spielen, tanzen, singen und essen gemeinsam. Lesen, schreiben und rechnen stehen ebenso auf dem Programm „Alles was sie lernen, auch der respektvolle Umgang untereinander, lernen sie in Beth Aleph“, fasst Suzanne zusammen. Zuhause sind ihre Schützlinge oft sich selbst überlassen, da die Eltern den ganzen Tag arbeiten müssten. Mit den ins Land strömenden Flüchtlingen konkurrieren sie um die ohnehin knappen Jobs. Die ständig steigenden Lebenserhaltungskosten drängen beide Gruppen noch weiter an den Rand der Gesellschaft. „Da sind die Eltern froh, wenn sie ihre Kinder bei uns gut versorgt wissen – seit kurzem auch an den Nachmittagen. Sie bekommen ein Mittagessen, das ist meist ihre einzige warme Mahlzeit am Tag.“ 

Die Jause verweigern manche, „aber nicht, weil sie keinen Hunger haben. Sie wollen das Sandwich für ihre Geschwister oder ihre Mama mit nach Hause nehmen“, klärt Suzanne auf und unterstreicht ihre ganz persönliche Philosophie, die sie in Beth Aleph verwirklicht: „Den Kindern Glück schenken.“   

Foto (Ingrid Burgstaller): 106 Kinder aus 12 Nationen lernen in der Vorschule Beth Aleph für ihr Leben.