Heraus aus der digitalen Falle

Pilgern. Für die meisten von uns ist es ein ständiger Begleiter: das Smartphone. In der Freizeit, im Büro – sogar beim Pilgern. 

Salzburg. Eine mutige Gruppe wagt zum Start der heurigen Pilgersaison ein Experiment – und lässt das Handy zu Hause.

„Wie sehr breche ich wirklich aus dem Alltag aus, wenn ich ständig mein Handy dabei habe und damit all meine Freunde, Verwandten und Verpflichtungen?“, fragte sich Hermann Signitzer. „Wie sehr kann ich mich wirklich einlassen, wenn ich jede Stunde ein Foto mache?“ Signitzer ist Referent für Tourismus- und Freizeitpastoral in der Erzdiözese Salzburg. Diesen Frühling lädt er mit einer besonderen Pilgerwanderung zum Start in die Saison: #Offline gehen probiert aus, was passiert, wenn man ganz im Moment ist. Drei Tage gehen die Pilgerinnen und Pilger, ohne digitales Gerät, von Mattsee nach St. Radegund.

„Digitale Distanz ist nicht einfach und hilft doch, die Dinge des Lebens, des Arbeitens und der Lebenszeit in ein gutes, lebensförderliches Verhältnis zu bringen. Das Gehen, die Bewegung in der Natur hilft dabei, diese Distanz zusammen mit anderen zu wagen.“ Und die fängt schon bei den kleinen Dingen des Alltags an: Statt vom Handy wird man morgens vom Klopfen an der Zimmertür geweckt.

Gottes Stimme im Kleinen wahrnehmen

Das Interesse am spirituellen Unterwegssein, Wandern und Pilgern ist ungebrochen. Für Signitzer hängt das auch mit dem Smartphone zusammen: „Es macht einiges einfacher, denn man muss nicht mehr wirklich mutig sein. Aber vor 25 Jahren waren wir ja auch ohne Handy auf dem Berg, haben wieder heruntergefunden und sogar den Zug nach Hause erwischt.“

Mit #Offline gehen will er sich wieder auf das fokussieren, was wirklich da ist. „Was entwickelt sich, wenn man sich ganz einlässt? Welche Begegnungen, welche Gefühle?“ Stille und Exerzitien brauchen kein Haus, ist der diözesane Tourismusreferent überzeugt, das gemeinsame Unterwegs-Sein ist beten mit den Füßen. 

Die Route von #Offline gehen führt an drei Seen des Salzburger Seenlandes vorbei ins benachbarte Innviertel, über die großartige Moorlandschaft des Ibmer Moors bis nach St. Radegund. „Dort werden uns die Geschichte und das Erbe von Franz und Franziska Jägerstätter beschäftigen“, erzählt Signitzer, der bei Impulsen am Weg auf wenige, aber gut gewählte setzt. „Eine Pilgerwanderung muss nicht überladen und überfrachtet sein. Auch in einem schönen Tag oder einer schönen Begegnung können wir Gottes Stimme hören.“

 

Start in die Pilgersaison

#OFFLINE GEHEN:

Drei Tage ohne digitales Gerät gehen, von Mattsee nach St. Radegund, Do., 4. 4., bis So., 7. 4., mit Magdalena Holztrattner und Hermann Signitzer. Anm.: 0662/8047-2064 oder tourismusreferat@seelsorge.kirchen.net

VORÖSTERLICHE PILGERWANDERUNGEN:

Anm. bis Mi., 10. 4.

Auf dem St.-Rupert-Pilgerweg von Gaden bei Waging nach Laufen (21 km), Mo., 15. 4., Anm.: +49 861/69495 oder info@kbw-traunstein.de

Schalom – unterwegs am Stille-Nacht-Friedensweg: Lamprechtshausen, St. Alban, Arnsdorf, Göming, Oberndorf (12 km), Mo., 15. 4., Anm.: 0676/8047 5114, pastass.lamprechtshausen@pfarre.kirchen.net

Am Jakobsweg von Großgmain über Bad Reichenhall nach Unken (21 km), Di., 16. 4., Anm.: Barbara Walzer, SalzburgerLandTourismus, 0662/668842 oder info@salzburgerland.com

Auf der Via Nova und dem Wolfgangweg von St. Gilgen nach St. Wolfgang (11 km), Di., 16. 4., Anm.: peter.pfarl@gmail.com, fxm@gmx.at, 0699/ 11081180, 0664/7670135

Auf dem Pinzgauer Marienweg von Taxenbach nach Zell am See, Variante I (19 km), Di., 16. 4., Anm.: 0664/7511 7051, ch.pilgern@sbg.at, info@geistliches-zentrum.at

Pilgern im Schweigen, von Piesendorf nach Zell am See, Variante II (17 km), Di., 16. 4., Anm.: 06543/7218, info@geistliches-zentrum.at

Auf dem Leonhardsweg von Weißpriach nach Tamsweg (12 km), Di., 16. 4., Anm.: Pfarramt Tamsweg, 06474/ 2291, www.leonhardpilgerweg.at

Sternpilgerwanderung auf der Via Nova. Leben – bewegen – begegnen – pilgern (12–14 km), Mi., 17. 4., Anm.: 0664/7670135, fxm@gmx.at

MEHR INFOS: www.kirchen.net/tourismusreferat

 

Foto: Einfach raus: Bei #Offline gehen bleibt das Handy zu Hause, im Fokus steht das Unterwegssein.

Foto: RB/Holztrattner