Hirtenbriefe zum Missbrauch

In ihren Hirtenbriefen zur Fastenzeit haben mehrere katholische Bischöfe in Deutschland Machtmissbrauch und sexuellen Missbrauch thematisiert.

Berlin. Der Münchner Erzbischof Kardinal Reinhard Marx rief dazu auf, die Wochen bis Ostern zu nutzen, um grundlegende Veränderungen anzustoßen. „Es geht hier nicht einfach um einige kirchenpolitische Maßnahmen, sondern um einen Weg der Erneuerung“, schrieb der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Themen wie „Macht, Machtmissbrauch und Kontrolle von Macht in der Kirche“ müssten mutig angepackt werden. Auch müsse der Blick auf die Ausbildung der Pries-ter und die priesterliche Lebensform gerichtet werden, so Marx; ebenso Fragen der Sexualmoral der Kirche. Diese Fragen müssten auch in der Deutschen Bischofskonferenz weiter besprochen werden, die sich bis 14. März zur Frühjahrsvollversammlung in Lingen trifft.

Der Limburger Bischof Georg Bätzing kritisierte „das beschämende Handeln von Kirchenverantwortlichen in früheren Jahren“ im Umgang mit Missbrauchsfällen. „Anstatt den Opfern Gehör zu schenken und ihnen Hilfe anzubieten, sind Täter gedeckt und ist Missbrauch verharmlost und vertuscht worden, um angeblich Schaden von der Kirche abzuwenden“, so Bätzing. Je öfter er mit Betroffenen spreche oder ihre Zeugnisse lese, „umso mehr wachsen meine Abscheu und Wut“. Der Bischof kündigte für Ende März ein Maßnahmenpaket in seiner Diözese an.

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick appellierte an die Christen, ihren Glauben auch nach außen zu bezeugen. Die Missbrauchs- und Finanzskandale belas-
teten die Kirche schwer. Das könne zu Resignation führen. Daher sei es wichtig, die Verbrechen aufzuarbeiten und durch Prävention weiteren Missbrauch zu verhindern. 

Frühjahrs-Vollversammlung

Kardinal Marx rief die katholische Kirche zu einer Reinigung auf: „Ich glaube, dass wir an einer neuen Epochenschwelle der Kirche stehen“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz beim Auftakt-Gottesdienst zum Frühjahrstreffen der Bischöfe. Die Reinigung müsse nicht nur mit Blick auf den sexuellen Missbrauch erfolgen, sondern auch auf den geistlichen Missbrauch. Dieser äußere sich etwa darin, den anderen klein zu machen im Namen Gottes, so Marx in der Pfarrkirche von Lingen.

Gastgeberbischof Franz-Josef Bode sagte mit Blick auf die Missbrauchsfälle in der Kirche: „Der Vertrauensverlust ist erschütternd.“ Die Gläubigen erwarteten zu Recht, dass „Licht ins Dunkel kommt, das uns gefangen hält“, so der Osnabrücker Diözesanbischof. Vor dem Gottesdienst demonstrierten rund 20 Gläubige mit Plakaten gegen Missbrauchsvertuschung, den Pflichtzölibat und für mehr Frauenrechte in der Kirche. kap

Foto: Im Mittelpunkt der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz stehen weitere Beratungen zu den fachlichen und den übergreifenden Fragen im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch in der Kirche.

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