„Honighimmel“

Die Kunstinstallation „Honighimmel“ der Künstlerin Sonja Meller ist noch bis zum Freitag, 28. Juni in der Salzburger Kollegienkirche zu sehen

RB: Wieso heißt Ihre Kunstinstallation „Honighimmel“?

Meller: Weil es ein Projekt ist, das – durch den Honig, der von der Kuppel der Kollegienkirche in eine Schale fließt, seine Farbe, seinen Geruch, die Farbe der Goldschale und die Reflektionen im Licht – etwas sehr Sinnliches ist. Es ging mir auch darum, die vertikale Achse, wo Himmel und Erde sich berühren, zu visualisieren.

RB: Was antworten Sie Kritikern, die Ihnen Verschwendung von Lebensmitteln vorhalten?

Meller: Es ist keine Verschwendung, es ist eine Verwendung von Lebensmitteln. Ich verwende den Honig, um Kunst zu machen, um eine andere Sicht auf die Dinge zu kreieren. Der Honig wird nach dem Abbau der Installation wieder eingesammelt und verzehrt.

RB: Welchen Honig verwenden Sie? Wie funktioniert das Ganze?

Meller: Ich habe viel herumprobiert. Es hat sich schließlich ein bestimmter Blütenhonig als geeignetster herausgestellt. In der Kuppel der Kirche gibt es Lüftungslöcher, in denen ein Trichter montiert ist. Ich fülle den Honig händisch ein. Bei diesen Temperaturen muss man zweimal am Tag mit je einem hal-ben Liter Honig nachfüllen.

RB: Wie ist die Idee zum Projekt „Honighimmel“ entstanden? 

Meller: Ich wurde vor vier Jahren vom Kunstreferat der Diözese Linz beauftragt, etwas zum Thema Advent zu machen. Dabei entstand die Idee zum „Honighimmel“. Das Projekt kam damals nicht zustande, es ließ mich aber nicht los. Irgendwann kam ich auf einem Salzburgbesuch in die Kollegienkirche und sah in ihr den geeigneten Ort. So begann alles.  

RB: Was wollen Sie mit Ihrem Kunstwerk aussagen, erreichen?

Meller: Man hat als Künstlerin, als Künstler meistens Intuition. Das ist gar nicht so leicht in Worte zu fassen. Ich möchte meine Begeisterung für meine Arbeit teilen. Ich möchte den Besucherinnen und Besuchern ermöglichen, sich verzaubern zu lassen, jenseits des Alltäglichen eine Erfahrung zu machen und dadurch wieder eine andere Sicht auf die Dinge zu bekommen.

RB: Was wollen Sie generell mit Ihrer Kunst bewirken?

Meller: In erster Linie mache ich das aus einer großen Begeisterung heraus und weil ich nicht anders kann. Es geht mir darum, die Umwelt mit künstlerischen Eingriffen zu gestalten – das können sehr ironische oder sehr poetische Eingriffe sein –, um damit Erfahrungen zu machen, die außerhalb des Alltäglichen liegen, und diese mit anderen zu teilen.

RB: Was soll, muss Kunst Ihrer Ansicht nach können?

Meller: Kunst muss gar nichts können. Die Kunst kann sich die Freiheit nehmen, in dieser Welt, in der jeder irgendetwas muss, nichts können zu müssen. Wenn man sich befreit von diesen Zwängen – was man alles muss, kann, soll, gibt einem das so viel Freiheit, dass etwas entstehen kann, was sonst nicht entstehen würde.

RB: Was ist Ihre Motivation als Künstlerin?

Meller: Ich kann nicht anders – ich kann es nicht anders beschreiben: Große Freude, Lust und Begeisterung verbunden mit Zweifel, ob das, was man macht, Sinn macht.   

 

Foto: RB/privat