Hüter vieler Schätze

Der Salzburger Dom beherbergt viele Schätze: Gewänder, Monstranzen, die Hostientaube. Viele der Preziosen reichen bis in die karolingische Zeit zurück, die meisten sind barock. Behütet wird dieser Schatz vom Domkustos.

Salzburg. Im Salzburger Dom wird geklotzt, nicht gekleckert: „Er ist das größte und schönste Barockbauwerk, das seinesgleichen sucht“, ist Prälat Hans Reißmeier überzeugt. „Doch auch die Schuldenlast ist enorm: Sobald etwas zu bauen ist, geht es in die Tausende – unmöglich zu vermeiden bei den Dimensionen.“ Demnächst sollen die hinteren beiden Blöcke der barocken Bestuhlung ausgetauscht werden. Alleine dafür werden 300.000 Euro veranschlagt, die Säuberung der Hauptorgel etwa kostet 100.000 Euro. 

Reißmeier ist seit vergangenem September neben seinen Funktionen als Vorsteher des Diözesan- und Metropolitangerichts und Pfarrprovisor von Siezenheim Domkustos und damit zumindest die nächsten fünf Jahre verantwortlich für den Domschatz und dessen sichere Verwahrung. „Gott sei Dank ist im Laufe der Geschichte so einiges gestohlen worden, sonst hätte ich eine noch größere Verantwortung zu tragen“, schmunzelt er – Habsburger, Franzosen und Bayern hatten sich im Laufe der Jahrhunderte am eroberten Fürsterzbistum bedient. 

Zu den übrig gebliebenen Kostbarkeiten im Dom gehört etwa das bronzene Taufbecken mit den Löwen, in dem bereits Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Mohr, der Texter des Liedes „Stille Nacht, Heilige Nacht“, getauft wurden. Auch die prachtvolle Hauptorgel, die Domtore von Schneider-Manzell, Mataré und Manzú sowie sieben Glocken zählen zur Ausstattung. Im Dommuseum sind weitere Kunstschätze aus 1.300 Jahren Kirchengeschichte gesammelt.

Abwechslungsreiche Tätigkeit

Als Kustos hat Reißmeier immer ein offenes Ohr. „Wenn ich in den Dom gehe, weiß ich nie, was mich erwartet.“ Sicher ist: Zu tun gibt es genug. Der Domkustos vertritt unter anderem auch den Domkirchenfonds. Da es sich beim Dom um die Bischofskirche handelt – in der die Dompfarre ständiger Gast ist –, arbeitet Reißmeier außerdem eng mit Erzbischof Franz Lackner zusammen, in dessen Vertretung er handelt. Dem Kustos kommt bei seiner neuen Tätigkeit zugute, dass er in rechtlichen Dingen bewandert ist und in seinen Jahren in Siezenheim viel mit gewerblicher Verpachtung und mit Geld zu tun hatte: „Außerdem haben wir dort einiges umgebaut, den alten Pfarrhof in ein Pfarrheim verwandelt, einen neuen Friedhof gebaut, die Kirche und die Orgel saniert“, erzählt er.

Die bedeutsamste Kostbarkeit 

Der Domkustos ist überdies der Personalchef der Dommusik und des -museums sowie der Mesner. Diesen hat Reißmeier es zu verdanken, dass der Domschatz nicht weiter schrumpft: Vor einigen Jahren ertappten sie einen Kirchgänger, der versuchte unter seinem Mantel Kerzenständer aus dem Dom zu schmuggeln. Glück hatten sie auch bei entwendeten historischen Krippenfiguren, die später in einem Antiquariat entdeckt wurden. Das wertvollste Gut im Dom sei aber immateriell, betont Reißmeier: „Das ist die Eucharistie und die kann niemand für sich alleine haben.“

Foto (Neumayr/Leo): Prälat Hans Reißmeier ist als Kustos der Wächter über den Domschatz. Ihn zu verwalten ist ein geldintensiver Job: Die Bänke, auf denen Reißmeier sitzt, müssen demnächst restauriert werden. Dafür braucht es allein für die hinteren beiden Blöcke 300.000 Euro. 

 

Der Salzburger Dom ist ein beeindruckender Monumentalbau des Frühbarocks. Seine Geschichte ist eng verbunden mit jener der Salzburger Herrscher und des geistlichen Fürstentums. Die beiden Wappenschilde auf dem Giebelaufsatz verweisen auf die Erbauer des Domes, Markus Sittikus und Paris Lodron. Geweiht ist der Dom den hhl. Rupert und Virgil, die als Marmorstatuen die Front zieren.
Der Dom wurde von mehreren Bränden zerstört, wieder aufgebaut, er-weitert. 1944 beschädigte eine Fliegerbombe die Kuppel und Teile des Altarraums. 1959 wurde der Salzburger Dom schließlich in alter Pracht geweiht.  An die drei Domweihen – 774, 1628 und 1959 – erinnern die Jahreszahlen an den Torgittern.

Erzdiözese Porträt von Prälat Johann Josef Reißmeier Foto: Neumayr/Leo 03.02.2017