„Ich lerne aus den Fehlern“

Elisabeth Fuchs macht jungen Menschen Mut

Vorbild. Elisabeth Fuchs, Chefdirigentin der Philharmonie Salzburg sowie künstlerische Leiterin der Kinderfestspiele, setzt mit den Schüler- und Lehrlingskonzerten der Salzburger Kulturvereinigung Akzente. Sie macht jungen Menschen Mut, wenn sie sagt: „Nicht alles, was ich anfange, gelingt.“ 

RB: Wann ist für Sie eine Aufführung oder ein Projekt gelungen?

Elisabeth Fuchs: Das sehe ich sehr differenziert. Wir haben Menschen vor uns, mit denen wir arbeiten und wir haben Menschen vor uns, für die wir arbeiten. Meine Aufgabe ist es, alle Beteiligten durch die Projekte zu führen und zu begleiten. Jeder bringt seine eigene Persönlichkeit mit und entwickelt andere Dinge im Kopf. Ich versuche alles in Einklang zu bringen, dabei entsteht eine gewisse Qualität.

RB: Wie wichtig ist dabei der Dialog? Zum einen mit den Künstlerinnen und Künstlern, zum anderen mit dem Publikum?

Elisabeth Fuchs: Der Dialog ist sehr wichtig, er führt nämlich in die dritte Richtung neben den Mitarbeitenden und dem Publikum: Er führt direkt nach innen, berührt uns im Inners-
ten. Daraus ziehe ich persönlich viel Kraft.

RB: Verfolgen Sie als Künstlerin, Musikerin, Dirigentin, konkrete Ziele? Oder steht das Definieren von Zielen der freien Entfaltung, der Kunst, entgegen?

Elisabeth Fuchs: Ich würde das gern anders sagen: Ich habe klare Vorstellungen. Wie soll die Musik klingen, wie soll die Bühne beleuchtet sein, wie passen die Solisten zum Orchester… Ziele im strengen Sinne habe ich keine. Ich schaffe. Termine und Verpflichtungen habe ich natürlich viele.

RB: Ihre Projekte sind innovativ,  beeindruckend und haben Erfolg. Gibt es bei Ihnen gelegentlich auch die Angst, mit einem Projekt zu scheitern?

Elisabeth Fuchs: Scheitern ist wichtig für den künstlerischen Erfolg. Denn nicht alles, was ich anfange, gelingt. Ich lerne aus den Fehlern, die mir passieren. Andersrum muss mein Umfeld kritikfähig sein. Wenn beispielsweise eine Musikerin oder ein Musiker bei einem Vorspiel nicht unseren Erwartungen entspricht, kommuniziere ich direkt und sofort. Wenn ich selbst andere Orchester dirigiere und merke, dass es da nicht rundläuft, habe ich bis jetzt leider selten ein ehrliches und direktes Feedback bekommen. Ich bin für klare Absprachen und schnelles Umsetzen, ohne Herumeiern.

RB: Sicher, wir lernen aus Fehlern, aber es tut doch auch weh, auf die Nase gefallen zu sein oder ein Projekt in den Sand gesetzt zu haben?

Elisabeth Fuchs: Sagen wir nicht unseren Kindern in Krisen, etwa, wenn ein Spielzeug kaputt geht:„Das wird schon wieder.“ Das müssten wir uns doch selbst auch häufiger sagen. Das ist ein Trost und eröffnet eine Perspektive.

RB: Das klingt einleuchtend, sich selbst Trost zu spenden, das könnte wieder ein Aufstehen, ein Anfang sein. Wo lassen wir Ihrer Ansicht nach Kinder und Jugendliche häufig im Stich, geben ihnen zu wenig Halt und Orientierung?

Elisabeth Fuchs: Wir trainieren Kindern vielfach ab, zu wissen, was sie wollen. Wir kompensieren dann mit Geldgeschenken, teuren Handys und anderen Konsumgegenständen. Setzen wir doch auf gemeinsame Erlebnisse, fragen wir Jugendliche, wohin sie gern mit uns reisen würden? Vielleicht freuen sie sich über eine gemeinsame Schitour?

RB: Sie ermöglichen in Ihrer Arbeit anderen Erlebnisse, Weiterkommen, Wachstum. Woher nehmen Sie die Kraft dafür? 

Elisabeth Fuchs: Ich lasse die Energie fließen, habe Gottvertrauen – ja, dann geht es gut.

 

Zur Person

Elisabeth Fuchs ist unter anderem Chefdirigentin der Philharmonie Salzburg. Ein großes Anliegen ist ihr die partizipative Musikvermittlung; damit bringt sie Kindern und Jugendlichen die Klassische Musik näher. 2007 gründete Fuchs die Kinderfestspiele Salzburg, 2013 die Lehrlingskonzerte im Großen Festspielhaus. Elisabeth Fuchs studierte Orchesterdirigieren, Chordirigieren, Schulmusik und Mathematik. Die gebürtige Oberösterreicherin ist überzeugt: „Zum qualitätsvollen Arbeiten gehören Ehrlichkeit und klares Feedback. Klare Ansagen eröffnen immer Perspektiven.“

Foto: In Aktion – Elisabeth Fuchs beim Dirigieren. Wichtig sind ihr Qualität und das Lernen aus Fehlern.  „Nur so kommen wir weiter“, ist sie überzeugt. / Foto: RB/ Erika Mayer