"Ich rede gern mit den Menschen"

Marianne Stoff ist Pfarrgemeinderatsobfrau in Mauterndorf und Vertreterin des Lungaus im Pastoralrat. Sie setzt auf gemeinsame Projekte, auf Wertschätzung und sagt mit Überzeugung „Gott ist immer bei uns.“ 

Mauterndorf. Die Pfarrgemeinderatsobfrau Marianne Stoff hat klare Vorstellungen von ihrer Arbeit und dem Gremium des Pfarrgemeinderats. „Als ich 2017 kandidierte, haben mir alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Unterstützung zugesagt. Ich weiß, ich kann mich auf unsere Leute hundertprozentig verlassen: Wir helfen zusammen, wenn es ums Organisieren großer Feste geht. Wir entwickeln gemeinsam neue Projekte, die immer an die Pfarre und die Bedürfnisse der Menschen angebunden sind. Wir arbeiten und wir feiern miteinander, die Messen, die Feste, das Leben.“ Fröhlich und beherzt, klar und zupackend, so lässt sich Marianne Stoff aufs Erste beschreiben, sie ist keine die leere Versprechungen macht, sondern wohlüberlegt Entscheidungen vorbereitet und gemeinsam im Gremium Pfarrgemeinderat diskutiert. „Ich bin vor 21 Jahren aus der Steiermark hierher in den Lungau gezogen. Der Liebe wegen. Pfarrleben war mir aus meiner Heimat sehr wohl vertraut. Dann kamen mehrere Schicksalsschläge. Mein Mann verunglückte tödlich, als unsere Kinder vier und acht Jahre alt waren. Innerhalb von eineinhalb  Jahren verstarben mein Mann, meine Mutter und mein Bruder. Ich tat, was getan werden musste, versuchte den Alltag weiterhin gut zu bewältigen. Das ist mir gelungen, Halt fand ich im Glauben. Diese Zeit damals hat mich sehr geprägt. Ich wusste einfach, dass Gott immer da ist. Wenn ich gefragt werde, wie ich die Zeit damals überstanden habe, erzähle ich von dieser Erfahrung.“

Einfach miteinander reden

Man hört der Lungauerin gern zu, sie freut sich, wenn das Pfarrleben in Mauterndorf gut gelingt, ihre Familie an den Wochenenden zusammenkommt, wenn Neues entsteht. „Kommen Sie, ich hole Sie bei der Burg ab, dann können wir bei mir zuhause in Ruhe reden“, schlägt sie vor, als es um das Interview mit ihr geht. Sie hat einen Plan, sie führt ihn aus und man ist gut aufgehoben in ihrer Nähe. „Zusammenleben funktioniert ja nur über Verlässlichkeit, ausgemacht ist ausgemacht. Im Pfarrgemeinderat helfen wir einander, zu unserer Pfarrgemeinde hier gehören alle, von den Kleinkindern bis zu den Seniorinnen und Senioren.“ Da die Mauterndorfer diese Haltung auch sichtbar machen wollen, haben sie bei der Fronleichnamsprozession eine eigene Station beim Seniorenheim aufgebaut. „Wenn man nicht weiterdenkt, Neues ausprobiert, verliert man mit der Zeit auch die Freude an der Arbeit in der Pfarre.“ 

Die Leute warten auf mich

Das Pfarrblatt trägt sie schon lange aus, am Beginn war sie damit schnell, in cirka einer Stunde fertig. Dann begannen die ersten Gespräche, die Übergabe des Pfarrblatts begann, Ausgabe für Ausgabe, länger zu dauern. „Ich freue mich, dass ich heute fürs Pfarrblattaustragen mehrere Tage brauche, die Leute warten auf mich, freuen sich auf einen Plausch, ich freue mich ebenfalls, intensive Gespräche zu führen.“ Das ist nur ein Beispiel für Seelsorge: Zeit zu haben, das Austragen des Pfarrblatts nicht einfach abhaken zu wollen, sondern darin eine Chance zu sehen und diese zu ergreifen. „Die Menschen sind offen, sie wollen mit uns über das Leben und auch über den Glauben reden. Das braucht Zeit und das braucht Vertrauen. Beides haben wir zu verschenken.“ 

Über den Tellerrand schauend formuliert Marianne Stoff folgenden Wunsch: „Ich wünsche mir, dass alle Seelsorger und Seelsorgerinnen, alle Pfarrer, zu den Menschen hinausgehen und mit ihnen über Gott und die Welt reden.“

Foto (Christina Repolust): Seelsorge ist für Marianne Stoff ganz stark „Hinausgehen und über Gott und die Welt reden“.