„Ich wusste: Das ist was für mich“

Interview. Ehrenamtliches Engagement ist Luisa wichtig. Als die Theologie-Studentin im Rahmen eines Lehrgangs die Telefonseelsorge besucht, war die Entscheidung gefallen: Hier möchte sie mitarbeiten. Wir haben mit der jungen Frau über ihre Beweggründe gesprochen und sie über ihre intensive Ausbildung befragt. 

 

 

RB: Luisa, wann hast du das erste Mal von der Telefonseelsorge gehört?

Luisa: Das war im Zuge meines Studiums. Wir haben verschiedene Einrichtungen besucht. Als wir dann bei der Telefonseelsorge waren und ich gehört habe, welch wichtige Arbeit hier passiert, wusste ich sofort: Das ist was für mich. Ich habe mich noch vor Ort informiert und kurze Zeit später mit der Ausbildung begonnen. Das war vor einem Jahr. 

RB: Was waren deine Beweggründe, dich für die Ausbildung anzumelden?

Luisa: In erster Linie ist mir ehrenamtliches Engagement an sich einfach ein Anliegen; etwas Gutes zu tun und etwas weiterzugeben. Aber ich habe auch was die Ausbildung angeht viele Vorteile gesehen: Es ist eine sehr intensive und fundierte Ausbildung was etwa Themen wie Gesprächsführung und Seelsorge angeht; aber auch Dinge wie zwischenmenschliche Kompetenzen und richtig zuhören können. Das sind für mich Fähigkeiten und Werte, die mir persönlich sehr wichtig sind und die für mich sicherlich auch beruflich, etwa in der Pastoral, eine Rolle spielen werden. Und ich merke auch jetzt schon, dass diese Kompetenzen auch im Privatleben von Vorteil sein können. 

RB: Inwiefern? 

Luisa: Wenn etwa eine Freundin auf mich zukommt und ein Anliegen hat. Da gehe ich ganz anders an das Gespräch und an die Themen heran. Durch gutes Zuhören und geschicktes Fragen wirklich herauszufinden, was das Problem ist. Es ist oft ganz spannend, wenn man merkt, dass die erste Emotion gar nicht das eigentliche Problem ist. Oft sind es Themen, die erst nach und nach an die Oberfläche treten, hinter den ersten Emotionen versteckt.  

RB: Du bist jetzt im zweiten und letzten Ausbildungsjahr – dein Fazit bisher?

Luisa: Es ist intensiv und  ungemein bereichernd. Der Prozess der Ausbildung ist in jedem Fall auch ein Prozess der Selbsterfahrung. Das spielt in der Ausbildung eine große Rolle: Genau hinzuschauen, wie es mir gerade geht. Da wurde auch bei mir ein intensiver Prozess in Gang gesetzt. Ich merke, dass ich mich wahnsinnig entwickle. 

RB: Du hast im zweiten Ausbildungsjahr bereits Dienste am Telefon – sind die Gespräche so, wie du es erwartet hattest?

Luisa: Einerseits hatte ich sehr krasse Erwartungen, was die Gespräche am Telefon angeht. Ich dachte, dass man ständig mit extremen Themen, wie etwa Selbstmordgedanken, konfrontiert wird. So ein Gespräch hatte ich aber bis jetzt noch nie. Es sind eher Themen wie Einsamkeit oder vermeintlich ausweglose Situationen innerhalb der Familie, die zur Sprache kommen. Andererseits hatte ich auch großen Re-spekt vor dem Dienst am Telefon. Ich dachte am Anfang oft: „Was ist, wenn ich etwas falsch mache?“ In diesem Zusammenhang kann ich aber jetzt schon aus meiner Erfahrung sagen: Wie man es macht, macht man es richtig. Schließlich ist man da, hört zu und nimmt den Anrufer oder die Anruferin in seinem oder ihrem Anliegen ernst. Das klingt nach ganz wenig, ist aber in dem Moment, wo jemand Hilfe braucht, ganz viel. Natürlich gibt es auch Telefonate, wo man sich wünscht, das eine oder andere noch gesagt oder einen besseren Abschluss gefunden zu haben. Aber am Schluss kann man sich immer sicher sein: Man hat etwas Gutes getan. Man hat geholfen. 

 

Kontakt

Telefonseelsorge: 142

Mail- und Chat-Beratung: 

www.ts142.at  

kids-line: 0800 234 123 

kids-line-Chatbera

 

Foto: Luisas Leben hat sich durch den Dienst am Telefon verändert: „Bei mir wurde da ein intensiver Prozess in Gang gesetzt.“ Die Ausbildung zur Telefonseelsorgerin ist für sie eine Bereicherung. 

Foto: RB/Erzdiözese Salzburg