ICO: Frauen im Orient im Blick

In den von Kriegen und anderen gesellschaftlichen Konflikten geplagten Ländern des Nahen Ostens sind es vor allem auch Frauen, die die Gesellschaften in Gang halten und sich für eine gerechtere und bessere Welt einsetzen. Das hat ICO-Ob-mann Slawomir Dadas zu Beginn der Jahrestagung der „Initiative Christlicher Orient“ (ICO) im Bildungszentrum St. Virgil betont. 

Salzburg. Die Tagung ist sowohl Christinnen, Musliminnen als auch Frauen religiöser Minderheiten gewidmet. Die Journalistin und Orient-Expertin Gudrun Harrer lieferte mit einem historischen und geografischen Rundumblick einen Einstieg in die Thematik. Noch vor rund 50 Jahren seien in vielen islamischen Ländern kaum Frauen mit Kopftüchern zu sehen gewesen. Vermeintlich ein deutliches Zeichen dafür, dass die islamischen Gesellschaften damals wesentlich freier als heute waren. Freilich dürfe die Debatte rund um die Stellung der Frau in muslimischen Gesellschaften nicht auf das Kopftuch reduziert werden, warnte Harrer.

Vor allem mit dem Sechstagekrieg 1967 und dann mit der Iranischen Revolution 1979 habe eine Re-Islamisierung im Nahen Osten eingesetzt. Die Situation sei aber komplex. So habe die Islamische Revolution im Iran beispielsweise einen enormen Bildungsschub unter den Frauen ausgelöst und viele davon würden nun nach mehr Freiheiten streben. Auf den iranischen Universitäten seien die jungen Studentinnen oft viel kritischer und wacher als ihre gleichaltrigen Kollegen. Ein letztlich vielsagendes Detail am Rande: Im Iran gebe es zudem weltweit die meisten Nasenoperationen unter Frauen.

Junge muslimische Frauen würden sich in der Regel allen Studien zufolge in der islamischen Welt nicht von Frauen in anderen Weltteilen unterscheiden, so Harrer. Freilich gebe es auch andere Einstellungen und gesellschaftliche Vorstellungen. Und letztlich sei die rechtliche Stellung der Frauen immer noch schlechter als jene der Männer. Die oft schwache Stellung der Frauen in der Öffentlichkeit im Nahen Osten sei allerdings nicht nur dem Islam geschuldet, sondern zum Teil auch kulturell bedingt und auch bei Teilen der Christen vorhanden, berichtete Harrer aus ihrer eigenen Erfahrung im Orient. Veranstaltungspartner der Initiative Christlicher Orient ist die Stiftung Pro Oriente (Sektion Salzburg). kap

Foto: Orient-Expertin Gudrun Harrer im Gespräch mit Dietmar W. Winkler, Vorsitzender der Stiftung Pro Oriente, Sektion Salzburg. Foto: kathpress