Im Beet lernen

Verborgen hinter Häuserschluchten findet man den Stadtteilgarten Itzling: ein Gemeinschaftsgarten, in dem kulturelle Vielfalt seit inzwischen zehn Jahren gelebt wird. Am 22. Juni öffnet er seine Pforten zum Jubiläumsfest.

Salzburg-Itzling. 2008 war der Stadtteilgarten in Itzling einer der ersten in Österreich: Hier wurde gemeinschaftlich gegärtnert, bevor das zum großen Trend wurde. Das Ziel: ein Treffpunkt, der auch die Vielfalt der Menschen im Stadtteil abbildet. In den 30 Beeten gärtnern heute 36 Menschen von Jung bis Alt und unterschiedlichster Herkunft gemeinsam. Besonders ab 17.00 Uhr wird es hier lebendig, die Gärtner jäten und gießen, pflücken Schnecken aus den Beeten und tauschen sich aus. Die Beete sind so bunt wie die Menschen, von denen sie gehegt werden: Würziges Maggikraut und duftender Lavendel schieben sich aus der Erde, daneben faszinierende Kräuter, die man in unseren Breiten sonst nur selten zu Gesicht bekommt. Hier wachsen asiatisches Gemüse und türkischer Kohl, dazwischen immer wieder Erdbeeren – sie verbinden die Geschmäcker über kulturelle Grenzen hinweg.

Das ABZ – Haus der Möglichkeiten der Katholischen Aktion, an das der Garten angeschlossen ist, bringt schon seit mehr als drei Jahrzehnten Menschen zusammen. Für das Miteinander in den Beeten sorgt Stadtteilkultur-Arbeiterin Christina Pürgy. „In einem Garten lernt man nicht nur die Natur, sondern auch die Natur des Menschen kennen“, sagt sie. Sozialprojekte bringen Arbeitslose, Firmlinge oder Asylbewerber in den Garten, Senioren aus dem Heim gegenüber flanieren vorbei, über den Zaun ergeben sich nette Gespräche. „Wichtig, damit es bei so viel Nähe zu keinen Konflikten kommt, ist eine würdigende und wertschätzende Kommunikation.“ In Workshops lernen die Gärtner nicht nur Saatgutvermehrung, sondern auch von Zivilcourage und Menschenrechten im engsten Umfeld.

Nach zehn Jahren hat der Garten einen eigenen Modus gefunden, kann inzwischen auch als Pionierprojekt besichtigt werden. Pürgys Wünsche für die kommenden zehn Jahre? „Es blüht, es wächst, da darf es auch mal so bleiben. Ruhe und Kontinuität findet man selten im Alltag, aber das tut dem Menschen gut.“ sab

 

Bildtext: Gemeinschaft: Die Gärtnerinnen bemalen und beschriften Steine, die später im Beet anzeigen, welche Pflanze hier genau wächst. Foto: Cornelia Thalmayr

 

Tipp: Stadtteil:Gartenfest,
Freitag, 22. Juni, 15.00 – 21.00 Uhr, Stadtteilgarten Itzling, Interkulturelles Community- und Grillbüffet, Chorgruppe One Peace des Mozarteums, Bühne mit Literatur, Musik und mehr, Quiz und Kinderprogramm.