Im Haus des Glücks

106 Mädchen und Buben aus zwölf Nationen lernen im Kindergarten und in der Vorschule Beth Aleph in Beirut lesen und schreiben, Arabisch und Englisch. Sie werden zur Schule und nach Hause gebracht und erhalten eine warme Mahlzeit – oft die einzige am Tag. Die Caritas unterstützt das von den Lazaristen geführte  „Haus des Alphabets“ in der libanesischen Hauptstadt. Neben Kindern von afrikanischen und asiatischen ArbeitsmigrantInnen bekommen vermehrt Kinder aus syrischen Flüchtlingsfamilien die Chance auf Bildung. 

Beirut. Seit Dechad (6) und Janshir (4) die Vorschule Beth Aleph besuchen sprechen und lachen sie viel mehr. Sie sind glücklich und entwickeln sich gut. Das sagt jemand, der es wissen muss: ihre Mutter Tigist. Die Äthiopierin kam vor mehr als zehn Jahren in den Libanon, um als Hausmädchen bei einer Familie zu arbeiten. Eines Tages hieß es: Wir brauchen dich nicht mehr.  Geld für einen Rückflug hatte die junge Frau nicht und ab dem Tag, als ihr Arbeitgeber sie auf die Straße setzte, keine gültige Aufenthaltsgenehmigung mehr. Auch ihre beiden Buben haben keine Dokumente. Sie existieren offiziell gar nicht und sind ohne Rechte, obwohl sie im Libanon geboren sind. Der Zugang zu öffentlichen Schulen bleibt ihnen verwehrt.  

Lichtblick für Kinder und Eltern

Im Libanon leben rund 300.000 MigrantInnen aus Asien und Afrika. Sie wollten der Armut in ihrer Heimat entkommen. Doch der Zedernstaat hat für sie nichts zu bieten, außer den täglichen Kampf ums Überleben. Ausbeutung, schlecht bezahlte Hilfsarbeiten und feuchte Wohnungen, oft ohne fließendes Wasser und Strom, Heizung  und  Kühlschrank sind an der Tagesordnung. Für die Kinder bedeutet das ein Aufwachsen ohne eigenes Bett, ohne Platz zum Spielen, ohne Privatsphäre. Der Zustrom an syrischen Kriegsflüchtlingen – inoffiziell zwei Millionen – hat die Situation noch weiter verschärft. Die Konkurrenz um die ohnehin knappen Jobs ist groß. 

Beth Aleph ist für Eltern wie Kinder ein Lichtblick: Die Kleinen erhalten den bestmöglichen Unterricht, damit sie auf dasselbe Niveau wie gleichaltrige libanesische Kinder kommen. Ziel ist es, die Mädchen und Buben für das öffentliche Schulsystem fit zu machen. Je nach Alter besuchen sie den Kinderhort, den Kindergarten oder die Vorschule. Die Zeit in Beth Aleph wird auch genützt, fehlende Papiere zu organisieren, damit der weitere Schulbesuch gesichert ist. Caritas-Mitarbeiterinnen unterstützen die Familien. „Bei regelmäßigen Hausbesuchen schauen wir, was dringend gebraucht wird, wie zum Beispiel Medikamente und warme Kleidung. Oder wir begleiten die Eltern bei Behördenwegen“, berichtet Sozialarbeiterin Joelle, die sich um Dechad und Janshir kümmert und die Mutter des Brüderpaars lobt: „Sie lebt nur für ihre Buben und sie weiß wie entscheidend Bildung ist. Deshalb ist sie sehr froh über Beth Aleph. Sie sagt es ist ein Haus des Glücks.“ 

 Neben dem Lernen sind die Essenspausen wichtige Fixpunkte im Tagesablauf. Beth-Aleph-Projektkoordinatorin Suzanne Abi Ghanem berichtet, dass für einen Großteil ihrer Schützlinge das Mittagessen die einzige warme Mahlzeit am Tag ist. Sie erzählt auch, dass manche die Jause am Vormittag verweigern. „Nicht, weil sie keinen Hunger haben. Sie wollen das Sandwich für ihre Geschwister oder ihre Mama mit nach Hause nehmen.“

„Hilfe muss größer sein, als der Hunger“

Die Caritas hängt diesen Sommer den Skandal des Hungers in der Welt an die große Glocke. So läuteten vergangenen Freitag österreichweit für fünf Minuten die Kirchenglocken. Dieses hörbare Zeichen sollte die Menschen zum Engagement aufrufen – „Denn unsere Hilfe muss größer sein als der Hunger“, betont Caritas-Direktor Johannes Dines. Schon eine kleine Spende könne helfen: 15 Euro kostet die Spezialnahrung, mit der ein unterernährtes Kind neun Monate versorgt werden kann. Die Caritas hilft den Menschen in der aktuellen Krisenregion  Ostafrika  mit Trinkwasser und Essen. Neben diesem Notprogramm unterstützt die Caritas Salzburg weiter ihre Schwerpunktprojekte in Ägypten, Syrien und im Libanon – wie das Bildungsprojekt Beth Aleph in Beirut. Weitere Infos und Online-Spenden unter www.caritas-salzburg.at 

Foto (ibu): In Beth Aleph lernen, spielen und essen Kinder aus zwölf Nationen. Sozialarbeiterin  Joelle Cherfane mit dem Brüderpaar Janshir und Dechad.