In Bewegung bleiben

70 Jahre für Frauen und ein Leben in Würde für alle – das feierte die Katholische Frauenbewegung Österreich (kfbö) an ihrem Gründungsort in der Basilika Maria Plain.  „Danken wir für das, was in diesen 70 Jahren geleistet wurde“, betonte Erzbischof Franz Lackner beim Festgottesdienst. kfbö-Vorsitzende Veronika Pernsteiner versprach: „Wir bleiben dran und setzen uns weiter für eine lebendige und gerechte Gesellschaft und Kirche ein.“ 

Maria Plain. „Mischen wir uns immer nachdrücklicher ein, in einer Zeit, in der Armut und Ausgrenzung die Welt und Europa entzweien, Rechtspopulisten Auftrieb erhalten und Frauen einmal mehr betroffen sind, wenn sich Ängste und Hass Ventile suchen“, so Veronika Pernsteiner, die unterstrich: „Glaube ist unsere Triebfeder.“ Pernsteiner ist die mittlerweile siebente Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreich. Unter den Festgästen waren auch ihre Vorgängerinnen, Ingrid Klein, Margit Hauft sowie Barbara Haas, und zahlreiche Gratulantinnen wie die Bischöfe Franz Lackner, Wilhelm Krautwaschl und Maximilian Aichern und die Präsidentin der Katholischen Aktion, Gerda Schaffelhofer.  

Gemeinsam starke Frauen-Stimme

„Ihr seid Apostelinnen“, wandte sich Festprediger P. Franz Helm, geistlicher Assistent der kfbö, an die versammelten Frauen aus allen Diözesen: „Ihr seid lebendige Steine im Bau der Kirche, gebaut auf dem Fundament der Apostel und Apostelinnen.“ Weiterhin gelte es einzutreten für Gleichberechtigung und Solidarität mit den Ausgegrenzten, für Partizipation und Vernetzung mit Gleichgesinnten. „Ohne das Engagement der Frauen würde das kirchliche Leben in vielen Pfarren still stehen, ohne sie wäre das  Wirken der Kirche als Werkzeug der Liebe Gottes defizitär.“ Der in der Bischofskonferenz für die Katholische Aktion verantwortliche Grazer Bischof Krautwaschl forderte die kfbö dazu auf, in Bewegung zu bleiben: „Bleibt dabei, euch zu ändern“, appellierte er, „macht euch auf – gehen wir miteinander“, erklärte Krautwaschl, der bei der Jubiläumsfeier zur Freude der Anwesenden Mitglied in Österreichs größter Frauenorganisation wurde. 

Als Gratulantin stellte sich in Maria Plain auch Sr. Beatrix Mayrhofer ein: „Wir Frauen sind Schwestern – mit oder ohne Schleier oder Kopftuch. Gemeinsam tragen wir Verantwortung füreinander, für Kirche und Gesellschaft“, so die Frauenordens-Präsidentin, die ermutigte: „Wir sind eine starke Stimme. Frauen können Gesellschaft verändern.“

Festvortrag

„Treiberinnen“ einer solidarischen Welt

Festrednerin Regina Polak nahm das „weltweite Erstarken autoritärer, aggressiver, hegemonialer, patriarchal formatierter Männermacht“ in den Blick. Dieses fordere zu Widerstand politischer Einmischung auf Basis einer christlichen Sozialethik heraus. „Ich wünsche der Katholischen Frauenbewegung den Mut, ihren Weg in diesem Sinne weiterzugehen, aus einer christlichen Spiritualität heraus, die Beziehung meint“, sagte die Theologin. Christliche Spiritualität ziele darauf, sich für gesellschaftliche Rahmenbedingungen einzusetzen, in denen die Würde des Menschen geachtet werde und Menschen nicht als „Humanfaktoren im Wirtschafts-, Freizeit- und Konsumgetriebe“ verstanden würden. 

Frauen hätten sich angesichts eines weltweit wachsenden Autoritarismus auf Ebene der Zivilgesellschaft als „Treiberinnen“ einer neuen, sozial gerechten Weltordnung in biblischem Sinne bewiesen, betonte Polak; sie spielten eine „Schlüsselrolle“, wo es um alternative Lebensstile, neue Ökonomien, neue politische Ordnungssysteme im Sinne sozialer Gerechtigkeit gehe. 

 „Mystik und Widerstand sind die Aufgabe der Stunde“, zitierte Regina Polak schließlich die evangelische Theologin Dorothee Sölle, die schon in den 80er-Jahren des vorigen Jahrhunderts vor ökonomischen und politischen Entwicklungen gewarnt hat, mit denen die Welt gegenwärtig konfrontiert ist. Dorothee Sölle widmet sich die Frauenbewegung in ihrem Jubiläumsjahr übrigens noch intensiv. Auf ihren Spuren reisen die kfb-Frauen im August  nach Köln.

Bild: Die Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Österreich, Veronika Pernsteiner (l.) und Vertreterinnen der Diözesen entzündeten beim Gottesdienst in Maria Plain Jubiläums-Kerzen – Roswitha Hörl-Gaßner (2. v. l.) ist an der Spitze der kfb in der Erzdiözese Salzburg.