Innehalten

Jahresabschluss sei immer auch Anlass innezuhalten, das Gewissen zu erforschen, sich zu fragen, wofür es zu danken gebe, sagte Erzbischof Franz Lackner bei der Jahresschlussandacht. Da gebe es einiges, einiges bereite aber Sorgen.

Salzburg. „Ganz persönlich danke ich wieder für ein Jahr LEBEN! Es ist nicht selbstverständlich; eine Gabe für die wir unseren Eltern, aber darüber hinaus vor allem Gott danken sollen“, so der Erzbischof. „Danken möchte ich für die Gabe des Glaubens. Der Glaube ist auf allen Ebenen eine dem Leben dienliche Kraft; die Schule des Vertrauens!“ 

 

Das vergangene Jahr gebe aber auch Anlass zur Sorge: „Wir haben nicht nur einen Priestermangel, sondern vor allem einen Gläubigenmangel. Zirka ein Prozent der Katholiken verlässt die Kirche.Ich schätze und achte die Religionsfreiheit, akzeptiere die negative Religionsfreiheit, wenn sich jemand keiner Religionsgemeinschaft anschließt. Aber es gilt zu bedenken, ohne institutionelle Religion geht Wesentliches verloren“, sagte Erzbischof Lackner.

 

Ehe: Keimzelle des Lebens 

 

Die heutige Zeit sei stark vom Individualismus geprägt. „Religion wird mehr und mehr ins rein Private abgedrängt. Dagegen möchte ich einen Gedanken des verstorbenen Philosophen Leszek Kolakowski stellen: ,Offensichtlich können Einzelne hohe moralische Standards aufrecht halten und zugleich areligiös sein. Dass Zivilisationen das können, bezweifle ich… Was ist die Menschenwürde wissenschaftlich gesehen? Aberglaube? Empirisch gesehen sind die Menschen ungleich. Die Menschenrechte sind eine unwissenschaftliche Idee.‘ Nach Kolakowski bläst nicht nur uns, den Gläubigen, sondern der ganzen Gesellschaft ein kalter Wind entgegen; wenn ein Gleichheitsdenken zum obersten allein gültigen Prinzip erhoben wird.“ 

 

Jüngst sei dies vom Verfassungsgerichtshof mit der Ehe für alle zur Anwendung gebracht worden. „Es scheint so zu sein, dass Unterschiede nur mehr als Diskriminierung gesehen werden müssen. Ich möchte klarstellen: Als Kirche haben wir zur Diskriminierung gewiss beigetragen. Dafür wollen wir uns entschuldigen. Die Ehe, als Keimzelle des Lebens, ist jedoch eine menschlich göttliche Errungenschaft, vergleichbar der Würde der Person. So dürfen wir kritisch fragen: Warum gelingt es gesetzgebenden Körperschaften nicht, in einer immer mehr plural werdenden Gesellschaft altbewährte Institutionen zu schützen, ohne zugleich neuen Lebensgemeinschaften den nötigen Rechtsrahmen zu versagen?“, gab Lackner zu bedenken. red

 

Bildtext: Erzbischof Franz Lackner sprach in seiner Predigt die Ehe für alle an.