Jeder Euro ist Leben

„Warum fliegst du in den Libanon?“ Diese Frage hörte Markus Fuchsberger immer wieder von Freunden und Bekannten denen er von seinen Plänen erzählte. Mittlerweile ist der Unternehmer wieder zurück – mit vielen Eindrücken und mit Antworten auf die eingangs gestellte Frage. Fuchsberger gehörte zu einer siebenköpfigen Salzburger Reisegruppe, die Stefan Maier von der Caritas in den Libanon begleitete. 

Beirut. Im  Libanon, der flächenmäßig so groß wie Tirol ist, leben rund vier Millionen Einheimische. Dazu kommen mehr als zwei Millionen syrische Flüchtlinge.  Wir reisten in ein Land mit der größten Pro-Kopf-Verschuldung weltweit und mit einer Arbeitslosenrate die über 50 Prozent liegt. Ein Land, das sich selbst kaum ernähren kann und die politisch Verantwortlichen längst die Augen geschlossen haben. Es fehlt an allen Ecken und Enden. 

Mit der Besichtigung des Hauses St. Vinzenz in Broumana, einer Schule mit angeschlossenem Internat, starteten unsere Projektbesuche. Kennen Sie das Gefühl, wenn viele Kinder  in  Zweierreihen Aufstellung nehmen und anschließend die Besucherdelegation durchbitten? Ein Bild, das berührt und niemals vergessen werden kann. Wie man den Kleinen und Kleinsten eine Zukunft geben kann? Schule, Ausbildung und später ein Beruf – das ist wohl eine der wenigen Möglichkeiten, die man anbieten muss, damit in einem derart krisengeschüttelten Staat wieder einmal Leben möglich wird.

Flüchtlingslager kenne ich nur aus dem Fernsehen. Das „Ausmaß“ ist nicht größer als der Bildschirm. Das Flüchtlingslager in der Bekaa-Ebene hat eine Dimension, die man sich nicht vorstellen kann. Hier leben Familien mit oft mehr als  sechs Kindern in zeltähnlichen Plastikverschlägen und notdürftig zusammengeflickten Unterkünften. Die Caritas hilft in der Bekaa-Ebene und betreut noch viele weitere Projekte im Libanon. 

Zukunft dank Hilfe aus Koppl

 Ich habe noch nie „barmherzigere“  Schwestern gesehen wie in Broumana, Baskinta und anderen Schulen und Krankenhäusern. Ich habe noch nie so viel Dankbarkeit und Freundlichkeit von Kindern und Jugendlichen erleben dürfen. Sie haben nicht aufgegeben, obwohl sie unter solch schwierigen Bedingungen aufwachsen müssen. Jeder Euro für das Spendenprojekt „Koppl hilft –  Zukunft für Syrien“ verwandelt sich im Libanon in Zukunftsperspektiven. Stefan Maier, Caritas-Nahost-Beauftragter betreut die Projekte in einer vorbildhaften Weise. Es braucht niemand mehr mit mir darüber zu diskutieren, dass Spendengelder ihr Ziel nicht erreichen.

Auszug aus Markus Fuchsbergers Reisebericht

Foto (Stefan Maier): Die Gruppe aus Salzburg – unter ihnen Dechant Josef Zauner und Pfarrprovisor Rudi Weberndorfer – mit Sr. Zahia Frangié und Kindern im Theatersaal der Schule in Broumana. Hier drücken syrische Flüchtlingskinder und libanesische Mädchen und Buben gemeinsam die Schulbank. „Für uns zählt jedes Kind, dem wir Liebe und Bildung schenken können“, betont die Barmherzige Schwester

Angemerkt: Beim Helfen helfen

Essen, Schulbildung, ein Dach über dem Kopf für Kinder und Frauen… Ich habe mit eigenen Augen gesehen, was die vorwiegend schon älteren Ordensschwestern und MitarbeiterInnen der Caritas sowie die vielen ehrenamtlichen HelferInnen leisten. Sie setzen sich oft unter großer Gefahr für ihre Mitmenschen ein – Flüchtlinge wie Libanesen. Da bin ich mir vorgekommen, als hätte ich mein Leben lang bis jetzt eher Urlaub gehabt. Jedenfalls ist mir klar geworden, dass jede Anstrengung hier bei uns gerechtfertigt ist, den Menschen dort beim Helfen zu helfen. Und etwas anderes ist mir auch aufgegangen. „Nah-Ost-Hilfe“ heißt im Libanon „Hilfe aus Salzburg“ – unsere Unterstützung wird hier ganz besonders gebraucht!

Rudolf Weberndorfer