Jeder hat Macken – das macht uns aus

Vernissage. 120 Besucher, darunter auch Erzbischof Franz Lackner, kamen vor kurzem zur Ausstellungseröffnung anlässlich des Welt-Down-Syndrom-Tages ins Salzburger Bischofshaus. 26 Porträts von Kindern und Jugendlichen mit Trisomie 21 sind dort im Foyer bis 20. April zu sehen. 

Salzburg. Der Besuch der Ausstellungseröffnung am 21. März war Erzbischof Franz Lackner ein großes Anliegen: „Menschen mit Down-Syndrom berühren mit ihrer Offenheit auf besondere Weise“, sagte er und betonte: „Im Buch Genesis lesen wir – Gott schuf alle Menschen als sein Abbild.“ Von Elke Resls Fotografien zeigte sich Lackner beeindruckt: „Da braucht es schon ein besonderes Gespür für den richtigen Moment.“ Auch Organisatorin Barbara Schubert  vom Referat für Pastoral mit Menschen mit Behinderungen betonte: „Die Porträts zeigen Momente mitten aus dem Leben.“

„Ich liebe mein Leben“ 


Die Fotos zeigen Kinder und Jugendliche mit Down-Syndrom aus Stadt und Land Salzburg. Zwei der Modelle, Michael Sebald und Nina Resl, die Tochter der Künstlerin, führten als Moderatoren durch den Nachmittag. Sebald arbeitet derzeit im Buffet des BRG Nonntal, lernt Klavier und Englisch und will Kellner und Moderator werden. „Ich liebe mein Leben“, erzählte er.  Und Nina Resl betonte: „Wir alle haben unsere Macken – und genau das macht uns aus.“ 

Die inklusive Band „Die Kunterbunten 14er“ und  der inklusive Chor der NMS Diakonie sorgten bei der Vernissage für Stimmung. „Es war ein Fest. Wir haben das Leben gefeiert“, resümiert Schubert.

Fakten: Weltweit wird etwa jedes 700. bis 800. Kind mit dem Down-Syndrom geboren. Etwa 9.000 Menschen mit  Trisomie 21 leben derzeit in Österreich. Liegt die Diagnose durch pränatale Diagnostik vor, wird mittlerweile in 90 Prozent der Fälle abgetrieben.  

Bei Kindern mit Trisomie 21 liegt das 21. Chromosom dreifach vor. Das führt zu körperlichen Besonderheiten, wie etwa Entwicklungsverzögerungen. Die geistigen Fähigkeiten variieren in diesen Fällen stark, von schweren Behinderungen bis zu fast durchschnittlicher Intelligenz

Foto (Claudia Höckner-Pernkopf): Fotografin Elke Resl führte Erzbischof Lackner durch die Ausstellung.

 
Zur Sache

mit Barbara Schubert, Referentin für Pastoral mit Menschen mit Behinderungen der Erzdiözese Salzburg.

Diagnose Trisomie 21. Für werdende Eltern im ersten Augenblick ein Schock. 90 Prozent entscheiden sich in diesem Fall für eine Abtreibung. Der Grund: Fehlende Beratung und kaum seelische Unterstützung, ist sich Barbara Schubert, Referentin für Pastoral mit Menschen mit Behinderungen der Erzdiözese Salzburg sicher. Gerade in der ersten Zeit nach der Diagnose seien werdende Eltern oft unsicher und orientierungslos. „Umfassende und ausgewogene Beratung ist deshalb ein Muss“, betont Schubert.  

Von Seiten der Ärzte wird in den meisten Fällen unmittelbar nach der Diagnose zur Abtreibung geraten, berichtet Schubert. Der Verein Down-Syndrom Österreich setzt sich deshalb für eine gesetzliche Bedenkfrist nach Vermittlung eines positiven Befundes ein, informiert die Diözesanreferentin. „Menschen mit Down-Syndrom werden vor der Geburt aufgespürt und ausgesondert. Das ist befremdlich und diskriminierend“, sagt Schubert. Dabei seien sie „schlicht und einfach Zeugen der Vielfalt des Lebens“. chp

Kontakte: Beratung während der Schwangerschaft, Verein Aktion Leben: 01/512 52 21, www.aktionleben.at

Unterstützung nach der Geburt, Verein Down-Syndrom Österreich: www.down-syndrom.at 

Salzburg: downsyndrom.salzburg@gmail.com

Kufstein: m.mazegger@manuscrita.eu