Jedes Kind zählt

Bildung. Von Frieden kann in Syrien noch keine Rede sein. Über seine Zukunft wird weiter verhandelt. Die Küstenstadt Lattakia im Nordwesten gehört zu den wenigen Regionen im Land, in denen die Sicherheitslage einen halbwegs normalen Alltag zulässt. Deshalb hat es eine große Zahl von Inlandsvertriebenen hierher verschlagen. Bei vielen Kindern ziehen sich Krieg und Flucht schon durch ihr ganzes Leben. Die Caritas Salzburg unterstützt ein Förderprogramm, das die Mädchen und Buben wieder in die Schulen bringt.

Salzburg/Lattakia. Kinder wünschen sich Sicherheit und Geborgenheit. Sie wollen lernen und in die Schule gehen. Sie haben ein Recht darauf. Trotzdem wachsen 60 Millionen Kinder weltweit ohne Schutz und Bildung auf. Die Caritas Österreich hat sich ein Ziel gesteckt: 50.000 Kindern mit Bildung ein kindgerechtes und chancenreiches Leben ermöglichen. Angesichts der global großen Not klingt die Zahl wie ein Tropfen im Meer. Aber: „Jedes Kind zählt“, betont der Salzburger Caritas-Direktor Johannes Dines, der davor warnt, dass Kinder in den armen und krisengeschüttelten Ländern der Welt ohne Bildung zu einer verlorenen Generation heranwachsen.  „Ihre Armut ist vorprogrammiert. Außerdem sind Menschen ohne Perspektive leicht verführ- und instrumentalisierbar.“

Die Caritas Salzburg konzentriert ihre Hilfe traditionell auf den Nahen Osten. Im Bürgerkriegsland Syrien ist Projektarbeit nur unter schwierigsten Umständen möglich. „Wir sind seit 1995 in Syrien und haben in dieser Zeit gute Partner gewonnen. Sie sind es, die jetzt trotz der katastrophalen Lage den Menschen beistehen. Ein Beispiel ist Lattakia “, erklärt Stefan Maier, Leiter der Caritas-Auslandshilfe.    

Vom Glück, die Schulbank zu drücken  

Die Glocke zur Pause ertönt. Die Mädchen und Buben lassen sich Sandwich und Milch schmecken. Jeden Tag zur Schule gehen, ist für syrische Kinder nicht selbstverständlich. Auch nicht im relativ sicheren Lattakia. Bevor sie in der Küstenstadt strandeten, sind die Kinder teilweise schon drei- oder viermal innerhalb des Bürgerkriegslandes vertrieben worden. Sie sind aus dem Regelschulsystem herausgefallen. Und nicht wenige müssen arbeiten oder betteln, um zum Überleben ihrer Familien beizutragen. 

500 Kindern im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren kann die Caritas mit ihrem Schulprojekt das erste Wegstück in ein anderes, würdigeres Leben ebnen. Sie kommen in ein intensives Förderprogramm, das sie schulfit macht. „Bei 95 Prozent gelingt das. Sie steigen nach einiger Zeit in den normalen Schulbetrieb ein“, berichtet Maier, der auch erklärt: „Wenn Eltern fühlen, ihre Kinder haben keine Zukunftsperspektive, treibt das immer mehr zur gefährlichen Flucht über das Mittelmeer. Doch können die Kinder wieder in die Schule gehen, hält das die Familien vor Ort.“ 

Foto (Caritas): „Hallo Zukunft“ – diesen bunten Gruß senden Flüchtlingskinder aus dem syrischen Lattakia. Der Föderunterricht der Caritas  macht sie fit, damit sie wieder in das Regelschulsystem einsteigen können. Die Mädchen und Buben wissen:  „Nur wenn wir lernen, haben wir eine Chance auf ein besseres Leben.“

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