Kampf gegen Missbrauch

Anti-Missbrauch. Im Vatikan findet derzeit das mit Spannung erwartete Spitzentreffen zu Missbrauch und Kinderschutz in der katholischen Kirche statt. 

 

 

Vatikan. Papst Franziskus hat dazu die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen aus aller Welt sowie Vertreter von Ordensgemeinschaften nach Rom gerufen. Neben Plenarrunden und Arbeitsgruppen sind auch eine Bußfeier und Berichte von Betroffenen von Missbrauch sowie Vorträge externer Experten vorgesehen. Der Papst nimmt an der gesamten Konferenz teil. Aus Österreich ist Kardinal Christoph Schönborn dabei. Es ist das erste Mal, dass der Papst die Leiter aller Bischofskonferenzen zum Thema Missbrauch in der Kirche versammelt.

Für Franziskus sei „wesentlich, dass die Bischöfe nach ihrer Rückkehr aus Rom die anzuwendenden Gesetze kennen sowie die notwendigen Schritte unternehmen, um Missbrauch zu verhindern, sich um die Opfer kümmern und sicherstellen, dass kein Fall vertuscht oder begraben wird“, hieß es in einer Vatikanerklärung mit Blick auf die Beratungen, zu denen an die 200 Teilnehmer erwartet werden. Die Versammlung sei eine wichtige Etappe „auf der schmerzhaften Reise“ im Kampf gegen Missbrauch, auf der sich die Kirche bereits seit 15 Jahren befinde.

Mit der Vorbereitung hat der Papst ein Gremium beauftragt, dem unter anderem Chicagos Erzbischof Kardinal Blase Cupich, der maltekische Erzbischof und päpstliche Missbrauchs-Sonderermittler Charles Scicluna und der deutsche Jesuit Hans Zollner, Leiter des Kinderschutzzentrums an der Päpstlichen Gregoriana-Universität, an-gehören. Ziel sei, „sicherzustellen, dass die Teilnehmer, wenn sie nach Hause zurückkehren, die Tragödie des sexuellen Missbrauchs und ihre tiefgreifenden Auswirkungen auf die Opfer vollständig verstehen und die volle Verantwortung dafür übernehmen, dass sich die Fehler der Kirche nicht wiederholen werden, sagte Kinderschutzexperte Zollner – er ist seit Jahren in der Weltkirche unterwegs, um über Kinderschutz und Missbrauch aufzuklären. 

Kardinal Christoph Schönborn erwartet sich vom Anti-Missbrauchsgipfel im Vatikan nicht nur, dass es weltweit zu einem gemeinsamen Bewusstseinsstand hinsichtlich der Missbrauchs-Problematik kommt. Es braucht in einem zweiten Schritt auch weltweit gleiche Standards in der katholischen Kirche, wie bei Missbrauchsfällen vorzugehen ist beziehungsweise welche Präventionsmaßnahmen gesetzt werden sollen.

 

Foto: „Nur wenn allen bewusst ist, was Missbrauch ist, warum es dazu kommt und was dagegen zu tun ist, können wir weltweit gemeinsame Standards einführen“, so Kardinal Christoph Schönborn.

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