Kardinal Pell räumt Fehler ein

Der australische Kurienkardinal George Pell hat im Umgang mit Missbrauchsfällen „enorme Fehler“ eingeräumt. Vor der australischen Missbrauchskommission erklärte er, er werde „nicht das Unhaltbare verteidigen“.

Sydney. Die Kirche in Australien habe „die Dinge versaut und Menschen im Stich gelassen“, so Pell. Der Kardinal äußerte sich per Videoschaltung aus Rom gegenüber der staatlichen Kommission zur Untersuchung des Umgangs von Institutionen mit Missbrauchsfällen in Sydney. Wegen eines akuten Herzleidens konnte er auf Anraten seiner Ärzte nicht zu der Anhörung nach Sydney fliegen. Der Kardinal habe pauschal auch eigene Fehler eingestanden, hieß es. „Ich muss sagen, ich war damals sehr geneigt, einem Pries-ter zu glauben, wenn er den Vorwurf des Missbrauchs dementiert hat“, wurde Pell zitiert. Bei Fragen zu konkreten Fällen habe sich der Finanzminister des Vatikan jedoch nicht erinnern können oder die Schuld dem damaligen Bischof Ronald Mulkearns zugewiesen. Angesichts von der Kommission vorgelegter Beweise habe Pell eingeräumt, es habe „offenbar eine signifikante Zahl von Menschen“ gegeben, die von dem Missbrauch gewusst hätten.

Im Zentrum der Anhörung standen Missbrauchsfälle in der australischen Diözese Ballarat. Dort war Pell zwischen 1973 und 1984 Priester, bischöflicher Vikar für das Schulwesen und einer der Berater von Bischof Mulkearns. Eine Reihe von Priestern der Diözese wurde inzwischen des sexuellen Missbrauchs in vielen Fällen überführt und verurteilt. Pell kannte diese Priester und war mit einem Täter, Gerald Ridsdale, befreundet. Der ehemalige Kaplan des Knabenseminars St. Alipius wurde zwischen 1993 und 2013 in mehreren Verfahren des sexuellen Missbrauchs in 138 Fällen überführt und verurteilt. Opfer waren 53 Kinder. Während der Befragung saßen auch zehn Missbrauchsopfer bzw. Eltern von Betroffenen im Saal. Teilweise trugen sie T-Shirts mit der Aufschrift „No more Silence“ (Kein Schweigen mehr). In einer Erklärung forderten sie mehr finanzielle Unterstützung der Kirche für die Leidtragenden. Deren Traumata hätten bei vielen dazu geführt, dass sie nicht für ihren Lebensunterhalt sorgen könnten oder alkoholsüchtig geworden seien.
kap

Kurienkardinal Pell wird vorgeworfen, an der Vertuschung von Missbrauchsfällen beteiligt gewesen zu sein, was er entschieden zurückweist. Foto: KNA