Kardinal Zen fürchtet Verrat

Kardinal Joseph Zen Ze-kiun (87), kritisiert die „pastoralen Leitlinien“ des Vatikan für China.

Hongkong. Kardinal Joseph Zen Ze-kiun (87), von 2002 bis 2009 Bischof von Hongkong, hat die jüngst vom Vatikan erlassenen „pastoralen Leitlinien“ für China mit deutlichen Worten kritisiert.

Mit den Leitlinien werden katholische Kleriker in der kommunistischen Volksrepublik ermutigt, sich behördlich registrieren zu lassen. Zen veröffentlichte am Wochenende auf seiner Website mehrere „Dubia“ (Zweifel), die sich gegen das neue Schreiben richten.

„Dieses Dokument hat radikal auf den Kopf gestellt, was normal ist und was nicht“, so der Kardinal. Es enthalte Vorgaben, die offensichtlich gegen alle Grundlagen der Moraltheologie verstießen. Mit Blick auf den bei einer Registrierung von Bischöfen und Priestern in China zu unterzeichnenden Text schrieb Zen: „Kurz gesagt: Es ist in Ordnung, alles zu unterzeichnen, was die Regierung verlangt – möglicherweise mit einer schriftlichen Klarstellung, die das Unterzeichnete bestreitet.“

Auf diese Weise könnte sogar ein Abfall vom Glauben gerechtfertigt werden, kritisierte der Kardinal. Jene, die solche Leitlinien verfasst hätten, hofften vielleicht, dass die bedauernswerte Minder-
heit in China „eines natürlichen Todes stirbt“. Damit meine er nicht nur die Untergrundpriester, sondern ebenso die vielen Brüder und Schwestern der offiziellen Kirche, die im Vertrauen auf den Heiligen Stuhl beharrlich für einen Wandel gearbeitet hätten. Er bete dafür, dass der „wahre Glaube“ in seinem Heimatland nicht sterbe, betonte Zen.

Die am 28. Juni veröffentlichten vatikanischen Leitlinien empfehlen chinesischen Bischöfen und Priestern, bei ihrer amtlichen Registrierung mit einer schriftlichen oder mündlichen Erklärung auf ihre Treuepflicht gegenüber der katholischen Lehre zu verweisen. Zugleich forderte der Vatikan die Behörden zu einer Nachbesserung des Registrierungsverfahrens auf und verwahrte sich gegen jedweden Druck auf Kleriker.

Bereits im September 2018 hatte der Heilige Stuhl ein Abkommen mit China über Bischofsernennungen abgeschlossen. Kardinal Zen ist ein entschiedener Gegner einer solchen Annäherung, weil er daraus Nachteile für die katholische Untergrundkirche in China befürchtet. kap

 

Foto: Joseph Kardinal Zen Ze-kiun SDB wurde 2006 Kardinal. Seine Ernennung galt weltweit sowohl als Politikum als auch als Anerkennung seines Wirkens, da er als Regimekritiker der kommunistischen Regierung Chinas und der Stadtregierung Hongkongs in Erscheinung trat. Joseph Zen wurde als vehementer Vertreter der demokratischen und religiösen Bürgerinteressen Hongkongs bekannt. Er wurde mehrfach von der chinesischen Regierung mit Einreiseverboten belegt. Zen glaubt, der Heilige Stuhl solle sich zur Erreichung seines Zieles „nicht auf Kompromisse einlassen“. Foto: RB/Archiv