Kinderspiele an der Front

Ukraine. Die Kinder an der ukrainischen „Pufferzone“ sind vom Krieg traumatisiert. In Schulen und Tageszentren bemühen sich Lehrer und Therapeuten mit Hilfe aus Österreich, die Kinder psychologisch und sozialpädagogisch zu betreuen.

Donezk. Ostukrainische Kinder wissen, wie Landminen aussehen: 10.000 Tote und mehr als
22.000 Verletzte hat der bewaffnete Konflikt seit 2014 bereits gefordert – trotz mehrerer verhandelter Waffenruhen. In Wohnsiedlungen entlang der so genannten „Kontaktlinie“, die die Separatistengebiete von den unter Regierungskontrolle stehenden Regionen trennt, sind die Verwüstungen besonders verheerend. In dieser Zone leben 200.000 Kinder, die täglich lebensbedrohlichen Gefahren ausgesetzt sind. Viele von ihnen sind vom Krieg traumatisiert. 

„Jede Nacht hört man Schüsse“, sagt Vaseljeva Galina, die Direktorin der „Luhanske Comprehensive School“ in Horliwka. Sie deutet auf ein Einschussloch im Fenster der Computerklasse. Vom dritten Stock der Schule aus sieht man die Front. Anderthalb Kilometer sind es bis zum letzten Checkpoint, dem „Point Zero“. Auf die Frage, wann wieder Frieden in die Ukraine einkehren wird, schüttelt die 36-Jährige ratlos den Kopf: „Ich habe das Gefühl, dass hier die Zeit eingefroren ist.“ 70 Prozent der Schule wurden durch die Kämpfe schwer beschädigt. In der Computerklasse hat eine Granate eingeschlagen. Wochenlang war die Bildungsstätte geschlossen, teilweise wurden die daheimgebliebenen Kinder im Fernstudium unterrichtet. Auch dank der Caritas Österreich, die für den Einbau neuer Fenster sorgte, wurde mit Jahresbeginn 2016 wieder ein regulärer Unterricht aufgenommen. Rund 200 Schulgebäude, in etwa jedes fünfte, wurden im Zuge der Kämpfe in der Ukraine bereits zerstört.

1,7 Millionen Kinder betroffen 

Kinder in der Ostukraine haben die vergangenen drei Jahre unter ständiger Kriegsbedrohung und Beschuss gelebt. Mehr als 1,7 Millionen sind nach Angaben des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (UNICEF) betroffen. Tausende flüchten regelmäßig in improvisierte Luftschutzbunker. Mit ihrer aktuellen Kinderkampagne will die Caritas Österreich bis 2018 rund 50.000 Kinder in Ländern wie der Ukraine nachhaltig aus der Not befreien. Infos unter www.caritas.at/kinderkampagne                  

kap

Foto (Frühwirth): Schüler und Schülerinnen der „Luhanske Comprehensive School“ – Lernen, Leben und Spielen in Sichtweite des Krieges.