Kirche entdeckt das Zuhören

Papst Franziskus will eine „synodale Kirche“, aber sie lässt sich nicht ohne Widerstand verwirklichen.

Vatikan. Fast einen Monat tagten Bischöfe und junge Katholi-ken im Vatikan. Herausgekommen ist ein Dokument, das eine stärkere Öffnung der Kirche gegenüber Laien verlangt. Das Synodenthema „Jugend, Glaube und Berufungsunterscheidung“ ließ erwarten, betagte Kirchenobere würden Strategien suchen, wie sie ihre Botschaft einer immer desinteressierteren Generation vermitteln können. Am Ende steht aber die Einsicht, dass die Kirchenleitung sich auch etwas von den Jungen sagen lassen muss. Papst Franziskus brachte es beim Abschluss am Sonntag auf die Formel „Zuhören, bevor man spricht“. Die Jugendlichen bat er um Entschuldigung, dass die Kirche ihnen zu oft „die Ohren vollgeredet habe“. Und wichtiger als Synodenbeschlüsse ist dem Papst, dass sich eine neue Art der kirchlichen Zusammenarbeit etabliert, die Junge und Alte „im Hören und in der Unterscheidung“ vereint – ein „synodaler Stil“. Das spiegelt die Sicht vieler Bischöfe, die während der Beratungen immer wieder den offenen und erfrischenden Austausch lobten. 

Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn nannte das Bischofstreffen „das beste“, das er je erlebt habe: „Es ist am meisten gelacht worden, es war ein unglaublich herzliches Klima.“ Zu den 270 Bischöfen gesellten sich 36 jungen Katholiken unter 30 Jahren sowie weitere Experten. Hinter den verschlossenen Türen der Synodenaula durften diese „Auditoren“ mitdebattieren, aber nicht abstimmen. Dennoch prägten sie mit Beiträgen, die als erfahrungsbezogen und konkret beschrieben werden, offenbar die Atmosphäre und die Dynamik.

Franziskus wertete die Versammlung als charismatisches Ereignis. „Es war der Heilige Geist, der hier gearbeitet hat“, sagte er nach der Verabschiedung des Schlussdokuments. Die Synode fiel in eine für ihn schwierige Zeit, belastet durch Missbrauchsskandale und innere Widerstände gegen Reformen. Franziskus sprach in seinen Schlussworten von Angriffen des Satans gegen die „heilige Mutter Kirche“.

Zwar spricht sich das Synodendokument für ein stärkeres Hören auf Jugendliche aus; auch die Beteiligung von Frauen an kirchlichen Entscheidungsprozessen wird als „Gebot der Gerechtigkeit“ bezeichnet. Aber die Artikel zur Teilhabe von Laien und zu einer synodalen Kirche ernteten in der Schlussabstimmung zahlreiche Nein-Stimmen. kap

 

Bildtext: Papst Franziskus und die Synodenteilnehmer lauschten den Jugendlichen andächtig bei ihren Wortmeldungen und Musikdarbietungen. Foto: synod