„Kirche ist das Salz in der Gesellschaft“

Mehr als die Hälfte der Bevölkerung in Äthiopien ist jünger als 25 Jahre. Das sei Chance und gleichzeitig die größte Herausforderung, sagt Petros Berga. Er weiß, dass viele keine Arbeit finden und auf den Straßen der großen Städte wie Addis Abeba landen. „Sie lieben ihr Land, aber die Armut treibt sie fort.“ Junge Leute riskieren ihr Leben bei der gefährlichen Überfahrt nach Europa – sie sehen keine Perspektive in ihrer Heimat. Die Kirche und Priester wie Abba Petros versuchen, Hoffnung zu geben und mit Ausbildung konkrete Chancen.  

Salzburg. Zum Weltmissions-Sonntag steht heuer Äthiopien im Fokus. Das Land hat eine lange christliche Tradition wie Petros Berga unterstreicht. Der junge Priester, der in Holland studiert hat, nimmt heute in Äthiopien eine blühende Kirche wahr: „Die uralte Geschichte des Christentums ist Teil der Kultur Äthiopiens. Wir atmen christliche Kultur. In vielen Gemeinden treffen sich die Menschen unter der Woche, um miteinander zu beten und sich auszutauschen.“  Mehr als 60 Prozent der 100 Millionen Äthiopierinnen und Äthiopier sind Christen. Dabei sind Katholiken mit zwei Prozent nur eine kleine Minderheit im christlich-orthodoxen Äthiopien. „Das Salz in der Gesellschaft – so verstehen wir uns“, erklärt Berga. „Die katholische Kirche ist nach staatlichen Hilfsprogrammen die zweitgrößte Anbieterin humanitärer Hilfe im Land. “ Es gebe Gebiete, die vom Staat und anderen Kirchen völlig vernachlässigt werden. „Wir achten darauf, was die Menschen brauchen und bauen Gesundheitsstationen und Wasserversorgung oder Schulen auf.“

Die Jungen im Land halten

Der Kampf gegen Korruption, Frieden mit dem Nachbarn Eritrea, die Versöhnung der Volksgruppen, die Armut … die Aufgaben, die der ostafrikanische Staat stemmen muss, sind immens.  Petros Berga verweist auch darauf, dass Äthiopien Anlaufstelle für eine Million Flüchtlinge aus dem Südsudan oder Eritrea ist.  Die größte Herausforderung sieht er darin, „die jungen Leute im Land zu halten“. Die Arbeitslosigkeit sei sehr hoch. „Die Jugendlichen sehen auf YouTube und den sozialen Medien wie das Leben in Eu-ropa ist. Das wollen sie auch für sich. Wenn sie verzweifelt sind, machen sie sich auf den Weg.“ Die zentrale Frage sei: „Wie können wir sie davon überzeugen, sich in ihrer Heimat eine Zukunft aufzubauen?“ Die Kirche betreibe zum Beispiel ein Berufsausbildungszentrum und hilft bei der Jobvermittlung.

Gottesdienst im Salzburger Dom

Wie in vielen Pfarren wird im Salzburger Dom der Weltmissions-Sonntag am 21. Oktober gefeiert: Gottesdienst um 10.00 Uhr mit Prälat Martin Walchhofer. Die musikalische Gestaltung übernehmen die Domkapellknaben und -mädchen sowie ein philippinischer Chor. Gottesdienstbesucher können den MissionarInnen aus der Erzdiözese einen Gruß schicken. Postkarten werden verteilt.