Kirche reagiert viel zu zögerlich

Kirche soll soziale Medien mehr nutzen

Wien/München. Die Kirche  soll Soziale Medien wie Youtube, Instagram und Facebook nicht Unternehmen überlassen, denn christliche Botschaft braucht moderne Sprache und digitale Lösungen.

Die Kirche sollte Soziale Medien nicht den Unternehmen überlassen, sondern selbst Apps und digitale Angebote generieren: „Die Kirche hat etwas anzubieten, bringt ihre Angebote aber nicht an die Leute“, brachte dies der deutsche Medienethiker Alexander Filipovic gegenüber „kathpress“ auf den Punkt. Facebook, Instagram oder Youtube seien für die moderne Vermittlung der christlichen Botschaft unerlässlich und weit mehr als ein „kurzfristiger Trend“, meinte der Professor für Medienethik an der Hochschule für Philosophie in München. Aktuell reagiere die Kirche „zu zögerlich“ auf die Digitalisierung und drohe die digitale Wende „zu verschlafen“, befürchtet der Sozialethiker.

Als Lösung schlug Filipovic, der ausgebildeter Theologe und Berater der Deutschen Bischofskonferenz ist, eine „Kirchen-App“ vor. Diese könnte sowohl als Plattform für Dialog und Austausch fungieren, als auch Informationen rund um Kirchen, Gemeinden und spirituelle Angebote bieten. Die Anwendungssoftware für Handys und Tabletts könnte auch einen Shop oder „Geolocation“ – Ortsbestimmung – enthalten, um als Benutzer lokale Informationen zu Kursen oder Messen erhalten zu können.

Zum heiklen Thema Datenschutz meinte der Medienethiker wörtlich: „Wenn mir sogar ‚McDonalds‘ Push-Nachrichten auf mein Handy schicken kann, wenn ich auch nur in die Nähe eines ihrer Lokale komme, warum nicht auch die Kirche?“ Die Grenze des Möglichen sei klar die 2018 in Kraft getretene europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Die Kirche dürfe sich zwar nicht am „Daten-Kapitalismus“ beteiligen, könnte aber User-Daten und Nutzungsverhalten für das Generieren benutzerdefinierter Angebote verwenden. Denn so Filipovic: „Soziale Medien und das Sammeln von Daten sind kein Hexenwerk.“  kap

„Glauben.Leben“-App bietet liturgische Texte zum Tag, Informationen zu den Ta-gesheiligen, eine österreichweite Gottesdienstsuche und ein digitales Gebetsnetz.

Foto: Alexander Filipovic, deutscher Medien-ethiker und Theologe, ist Professor für Medienethik an der Hochschule für Philosophie München.

Foto: RB/Leopolds