Kirchenasyl zeigt die Welle der Solidarität

Notsituation. „Kirche reagiert auf vorhandene Not, wenn Menschen in Bedrängnis sind“, sagte Erzbischof Franz Lackner. In den vergangenen Tagen hat sich die Situation für den Pakistani Ali Wajid, Lehrling im ARGE-Beisl, zugespitzt. Er war akut von der Abschiebung bedroht und bekam in der Erzabtei St. Peter Kirchenasyl. Viele Menschen setzen sich für den jungen Mann ein.

Salzburg. Rechtlich ist das Kirchenasyl in Österreich nicht anerkannt, es lebt von der Duldung des Gesetzgebers. „Die Kirche achtet die Gesetze, allerdings ist es erlaubt, die Gesetzeslage zu kritisieren und ein Mehr an Schutz zu bieten“, erklärt Dechant Alois Dürlinger, Sprecher des Erzbischofs in Asyl- und Flüchtlingsfragen. „Die Kirche nimmt sich der Heimatlosen und Armen an. Aus der Botschaft Jesu heraus sind wir zutiefst dazu verpflichtet zu helfen“, stellt er klar. Mit dem Salzburger Kirchenasyl für Ali Wajid soll Zeit gewonnen werden, um die rechtliche Situation zu klären. 

„Zum ersten Mal seit langem konnte sich Ali im Kloster wieder etwas entspannen“, erzählt ARGEkultur-Vorstandsvorsitzender Bernhard Jenny. Er wandte sich kurz vor Ablauf der ersten 72 Stunden mit der Bitte auf Kirchen-asyl für Ali Wajid an die Erzdiözese Salzburg. Doch vergangenen Freitag erhielt Ali einen neuen 72-Stunden-Bescheid. „Ich finde es bedenklich, dass er mit Bescheiden bedrängt wird“, sagt sein Anwalt Peter Perner. Er hat die 72-Stunden-Bescheide beeinsprucht, genau wie den negativen Asylbescheid vom Mai. „Die Revision kann Monate oder Jahre dauern“, erklärt er und plädiert dafür, die Gerichte arbeiten zu lassen. Das Bundesamt für Fremdenrecht und Asyl (BFA) nehme das Kirchenasyl zur Kenntnis: „Es ist eine deutliche Zuflucht, das Engagement der Kirche beachtenswert.“ Er sehe auch Ansätze zum Einlenken bei den Behörden.

Ein humanitäres Aufenthaltsrecht für integrierte Lehrlinge fordert die Katholische Aktion Salzburg: „Wenn wir die Lehrlinge abschieben, bringen wir uns um die Früchte unseres Engagements. Das trifft auch die vielen ehrenamtlichen Helfer“, so KA-Präsidentin Elisabeth Mayer. 

Bildtext: Ali Wajid (3. v. l.) wurde vergangenen Freitag von Schengenfahndern in St. Peter abgeholt.  „Auf allen Ebenen gibt es Menschen, die das Herz am rechten Fleck haben.“ Deshalb hat Bernhard Jenny (4. v. l.) die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sich „Menschlichkeit und Menschenrechte durchsetzen“. 

Unterstützung: Menschenrechtsaktivist Bernhard Jenny, KA-Präsidentin Elisabeth Mayer und Alis Anwalt Peter Perner (v. l.).

Setzen sich ein: Bernhard Jenny und Alois Dürlinger (r.). Fotos: jup