Klassische Musik im Blut

17 vollständige Messen hat Wolfgang Amadeus Mozart komponiert, aufgeführt werden aber eigentlich immer die gleichen, plädiert der emeritierte Professor an der Universität Mozarteum Salzburg, Dr. Albert Hartinger, für mehr Ausgewogenheit auch bei Kirchenchören. „Musik ist ein Anziehungspunkt für Gottesdienst-Besucher“, erklärt er. Vor 40 Jahren startete er die Müllner Cantorey – Gründung und Leitung sind der Anteil des gebürtigen Müllners am Gemeindeleben.

Salzburg-Mülln. In den 40 Jahren bemühte sich der Kirchenchor, Salzburger Komponisten vom Barock bis zur Gegenwart erklingen zu lassen. Viel geistliche Musik von Mozart und Michael Haydn steht am Programm, haben die beiden doch eine besondere Beziehung zu Mülln: Michael Haydn hat eines seiner ersten geistlichen Werke, die „Missa in Hon. Si Nicolai Tolentini“, „zum Gebrauch der Augustiner“ in Mülln 1768 komponiert. Bei Schönwetter waren Mönchsberg und Augustiner-Kloster das bevorzugte Ziel seiner Nachmittags-Spaziergänge. Die Beziehung der Mozarts zum Augustinerkloster in Mülln geht auf W. A. Mozarts Mutter Anna Barbara, geb. Pertl, zurück. Ihr Neffe war 1756 als „Frater Godefried“ in das Kloster eingetreten und wurde dort von der Familie Mozart mehrfach besucht. 

 

Von Mozart bis Jazz

 

Einen Großteil der Werke Mozarts hat der Chor bereits gesungen, der „Stoff“ geht aber nicht aus. „Im Diözesanarchiv warten noch viele Werke auf ihre Aufführung“, meint Hartinger. Zum 100. Geburtstag des Komponisten Josef Friedrich Doppelbauer wird seine Musik heuer einen Schwerpunkt setzen. „Barock und Wiener Klassik harmonieren gut mit dem Kirchenraum“, freut sich Hartinger auch über die schöne Barockorgel. An hohen Feiertagen ist die Müllner Cantorey zu hören. „Wichtig ist uns vor allem die Karwochenliturgie“, verrät er und auch das Mariensingen am 8. Dezember und die Christmette mit der Originalfassung des „Stille Nacht“-Liedes sind bei den Salzburgern sehr beliebt. Heuer werden zu Christi Himmelfahrt Psalmen von Stefano Bernardi, Hofkapellmeister unter Fürsterzbischof Paris Graf von Lodron, zu hören sein. Bei Firmungen geht die Cantorey den Jugendlichen entgegen und lässt sich auch auf  Werke aus dem Jazz-, Pop- und Gospelbereich ein. 

 

Vielseitig genug sind die Chormitglieder. Schon seit der Gründung waren Mozarteum-Studenten des Professors für Gesang und Aufführungspraxis unter den Mitgliedern. „Viele verdienten sich hier ihre ersten solistischen Sporen und sind nun in großen Häusern engagiert. Unsere Aufgabe ist es, auf musikalische Weise das Wort Gottes zu verkünden. Wobei die Musik nach Nikolaus Harnoncourt als Klangsprache verstanden wird“, erklärt Hartinger, einer der ersten Schüler des Musikers.

 

Die Musik liegt ihm am Herzen

 

Die Musik spielte in seiner Familie, wo viel gesungen wurde, eine große Rolle. Mit 15 Jahren kam er zum Domchor, mit 16 Jahren sang er bereits sein erstes Solo dort. Schon als Schüler war er außerordentlicher Student am Mozarteum, später studierte er Musikerziehung und Gesang, trat als Opernsänger auf und bekam den Lehrauftrag am Mozarteum. 1976 gründete Hartinger die Salzburger Bachgesellschaft: „Es war nicht gut, dass damals fast keine Werke von Bach aufgeführt wurden“, begründet er. „Wir wollen auf professionellem Niveau diese Musik pflegen und haben dafür gesorgt, dass Bach wieder seinen Platz findet“, ist er zufrieden und sieht in den heutzutage vermehrten Bachaufführungen keine Konkurrenz.

 

1978 gründete er zum Pfarrfest „525 Jahre Pfarre Mülln“ die Müllner Cantorey. „Die Zeit vergeht schnell“, meint Hartinger. Zum Jubiläum hat sich der Chor mit Hummels Messe F-Dur ein „unbekanntes, aber sehr schönes Werk“ ausgesucht. Nur die Orgel begleitet den Chor, der dann im Mittelpunkt steht.

 

Bildtext: Die Müllner Cantorey ist mit 16 bis 20 Mitgliedern ein eher kleiner Kirchenchor. Die Frauen überwiegen, doch „das Stimmenverhältnis ist gut ausgewogen“, sagt der künstlerische Leiter Albert Hartinger. Er freut sich, dass der Chor gut in die Pfarre integriert ist und eine gute Beziehung zu Pfarrer P. Franz Lauterbacher besteht.

 

TIPP: Donnerstag, 1. Februar, 19.00 Uhr, Pfarrkirche Mülln: Joseph Friedrich Hummel: Messe F-Dur, Müllner Cantorey zum 40-jährigen Jubiläum.