Kleine Könige – groß im Helfen

Sternsinger. Kinder sammeln für Kinder, bringen Segen in die Häuser, legen dafür alleine in Österreich 420.000 Kilometer zurück und umrunden somit zehnmal die Erde. Dass es sich lohnt für Menschen in Not zu gehen, wissen die Beteiligten – die jungen Königinnen und Könige sowie alle Menschen, die mithelfen, dass die Dreikönigsaktion erfolgreich über die Bühne geht. Pastoralassistentin Alexandra Kunstmann-Hirnböck  „dirigiert“ in Neumarkt 40 Kinder und 12 Erwachsene, die Spenden für Projekte in Afrika, Asien und Lateinamerika ersingen.

Neumarkt. Die Katholische Jungschar will sich mit der Not in der Welt nicht abfinden und kann dabei in der Erzdiözese auf die Rückendeckung von 10.000 Kindern und Jugendlichen zählen. In Neumarkt sind die jüngsten Sternsinger im Kindergartenalter. „Sie können noch nicht lesen und müssen die Texte durchs Hören beim Proben auswendig lernen“, berichtet Kunstmann-Hirnböck. In der Flachgauer Pfarre begeben sich auch einige Erwachsene auf Sternsinger-Tour. Bei den Leuten komme dieses Engagement gut an, so die Pastoralassistentin, die lachend auf die niedrigere Toleranzgrenze fürs „Falschsingen“ bei den Großen verweist. Schön findet sie es, dass sich in zahlreichen Familien das Sternsingen zu einer lieb gewonnenen Tradition entwickelt hat. Sie bestätigt: Viele, die in jungen Jahren als Caspar, Balthasar oder Melchior  unterwegs waren, bleiben der Aktion als Begleitpersonen treu oder kochen für die jetzt Aktiven. Bei Alexandra Kunstmann-Hirnböck ist es ähnlich, auch sie hat Kindheitserinnerungen an die Dreikönigsaktion in ihrer Villacher Heimat. Heute laufen bei ihr die organisatorischen Fäden zusammen, damit in allen Neumarkter Haushalten die Weihnachtsbotschaft vom „Frieden den Menschen auf Erden“ ankommt. Das sei logistisch vor allem in den Wohnblöcken eine Herausforderung. Hier an alle Türen zu klopfen sei unmöglich. „Wir laden die BewohnerInnen zu einem zentralen Sternsingen ein. Das wird gut angenommen. Manchmal wird Tee ausgeschenkt und es ergibt sich der eine oder andere nette Plausch.“   

Für ein besseres Leben singen 

Die meist jungen Königinnen und Könige sind selbstlos für Kinder und Not leidende Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika unterwegs. Manchmal komme es vor, dass ihnen die Leute neben der eigentlichen Spende noch ein Taschengeld zustecken. „Das behalten sie aber nicht für sich, sondern geben es in die Kassa. Sie sagen: ‚Uns geht es gut.‘ Den Kindern ist bewusst, dass Gleichaltrige anderswo in Armut aufwachsen müssen und  sie zum Beispiel keine Schule besuchen können“, erzählt Kunstmann-Hirnböck.  

In 20 Ländern kommen die Spenden der Dreikönigsaktion zum Einsatz. Eines davon ist Nicaragua. Der kleine Staat in Mittelamerika hat große Probleme. Landbesitz und Einkommen sind extrem ungerecht verteilt. Kinder müssen oft arbeiten. Die Schule bleibt auf der Strecke, doch ohne Abschluss verlieren sie jede Chance auf ein besseres Leben. Die Partnerorganisationen der Dreikönigsaktion kümmern sich um diese Kinder, holen sie von der Straße, wo Gewalt und Kriminalität herrschen. Dank der Sternsingerspenden können sie wieder lachen, malen, fröhlich sein und zur Schule gehen. Jugendliche erlernen Handwerksberufe. Eine gut funktionierende Kooperation mit lokalen Betrieben hilft bei der Jobsuche. Die Hilfe zur Selbsthilfe greift.

Die Sternsingeraktion zum Jahreswechsel 2017/18 ist schon die 64. Auflage dieser besonderen Spendensammlung. Sie liegt in den Händen der größten österreichischen Kinderorganisation – der Katholischen Jungschar. Die Dreikönigsaktion ist das Hilfswerk der Jungschar. In der Erzdiözese Salzburg sind rund 10.000 Kinder & Jugendliche mit ihren Begleitpersonen unterwegs. Unterstützt werden sie von zahlreichen HelferInnen, die mit den Kindern Lieder proben, für sie kochen, Gewänder nähen… Im Vorjahr haben die Königinnen und Könige exakt 1.867.831,13 Euro „ersungen“. Rund 500 Hilfsprojekte in Lateinamerika, Afrika und Asien profitieren von den Spenden.

Foto (Pfarre Neumarkt/A. Hirnböck): In Neumarkt waren Judith, Magdalena und Malisa als Heilige Drei Könige im Einsatz.

Foto (N. Essl): „Es ziehn aus weiter Ferne drei Könige einher“ – Teresa, Kiana, Lea, Lieve, Christina und Chiara waren in der Pfarrgemeinde Abtenau unterwegs, um den Menschen die Botschaft der Geburt des göttlichen Kindes zu verkünden.