Kommentar zum Evangelium

Nicht zu Grunde gehen

Zu Grunde gehen. Ich suche nach vergleichbaren Worten und Bildern. Etwas geht zu Grunde, etwas verfällt zunehmend, ein Haus zum Beispiel, niemand kümmert sich um dessen Erhalt. Selbiges gilt für das menschliche Leben: Einsparungen der sozialen Wohlfahrt, Rufschädigung, gesellschaftlicher Ausschluss usw., all das kann eine menschliche Existenz allmählich und auf erbärmliche Art und Weise zu Grunde gehen lassen. In der alttestamentlichen Josefserzählung gehen die Überlegungen vom Erschlagen bis hin zum Erstickungstod in einer Zisterne. Die Brüder wählen am Ende das für sie vermeintlich kleinere Übel und verkaufen Josef schließlich an eine vorüberziehende Karawane (vgl. Gen 37,36). Rosenstein-Rodan, ein international bedeutender Entwicklungsökonom, empfiehlt in einem Aufsatz aus dem Jahr 1944, dass Regierungen zur Begrenzung des Bevölkerungswachstums eine gewisse „Charakterstärke“ zeigen sollten, falls notwendig, müssten auch verfügbare Ressourcen zurückgehalten werden, so der Autor.

Im heutigen Evangelium versichert Jesus, dass von den Seinen niemals einer zu Grunde gehen wird. Damit ist aber, meiner Meinung nach, nicht ausgesagt, dass Menschen nicht sterben werden. Der gute Hirt stellt sicher, dass das Zerstörerische auf den Menschen keinen Zugriff nimmt. Allen Mächten und Gewalten, die das Leben zu mindern oder zu Grunde zu richten versuchen, stellt er sich kraftvoll entgegen. Jesus ist der Garant für ein Leben und Sterben in Würde bis zum letzten Atemzug und darüber hinaus.

Kirche als Weideplatz

Die Kirchenkonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils, „Lumen Gentium“, verbindet Kirche bevorzugt mit dem Bild einer Weide und erklärt diese zum todesfreien Weideplatz (vgl. LG 116). „Ich gebe ihnen ewiges Leben und niemand wird sie meiner Hand entreißen“ (Vers 29), spricht Jesus in seine, unsere Kirche hinein. Der Ökumenische Rat der Kirchen Österreichs hat sich in seinem Sozialwort darauf verständigt, dass die Kirchen Zeit und Raum bereitstellen „damit Menschen nach bitteren Leiderfahrungen wieder Vertrauen aufbauen können“ (vgl. Sozialwort ÖRK, 254). Ich persönlich unterstütze diese Empfehlung sehr.
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MMag. Elisabeth Katzdobler ist Pastoralassistentin im Pfarrverband Lammertal (Abtenau–Rußbach–Annaberg–Lungötz).