Kommentar zum Evangelium

Pastorale Sendung

Der Evangelist stellt Petrus ganz klar als Führungspersönlichkeit vor. Er ist einer, der aktiv, von sich aus Handlungen setzt und dabei andere mitzunehmen vermag („Ich gehe fischen“; „Wir kommen auch mit“). Heute, in der Zeit vermehrter „Kirchflucht“, entspricht er verständlicherweise dem Idealtypus eines Mitarbeiters im pastoralen Dienst. Der Hinweis des Evangelisten auf die Nacktheit des Petrus allerdings kommt als Mahnung und Warnung daher. Nacktheit verweist zurück auf das Buch Genesis, auf den ersten Versuch des Menschen, sich über Gott erheben zu wollen. Petrus hat schon immer gerne seine eigenen Pläne geschmiedet, im Matthäusevangelium etwa muss Jesus ihn scharf zurechtweisen: „Weiche von mir, Satan (…) du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen“ (Mt 16,23). Papst Franziskus warnt davor, in der Pastoral „(…) so zu handeln, als gäbe es Gott nicht“ (Evangelii gaudium 80). 

Liebe zu Jesus als Amtskanon

Jesus spricht die Jünger mit „meine Kinder“ an (vgl. Vers 5). Mit dieser Zuschreibung verdeutlicht Jesus, dass die Jünger in die Erbfolge Gottes hineingestellt sind. Aber Petrus verhält sich noch wie ein Knecht. Sklavisch und willfährig zieht er das volle Netz an Land. Das Mahl ist längst gerichtet, beim Kohlefeuer sind bereits Fisch und Brot bereitgestellt. Aus dem Netz wird kein einziger Fisch benötigt. Es ist schon alles da. Der dreifache Liebes-eid, den der Auferstandene von Petrus einfordert, entspräche der dreifachen Verleugnung, sagen die Kommentare. Eine andere Deutung ist, dass hier das Anforderungsprofil des Hirtenamtes sichtbar wird. Die Liebe zum Auferstandenen, die Bereitschaft zum Gehorsam und zur Einswerdung werden mit diesem Evangelium für den pastoralen Dienst maßgebend und richtungsweisend. So dürfen wir uns wohl und sicher geführt fühlen durch unseren Oberhirten Franz, dessen Amt von der Liebeserklärung des Täufers an Christus Jesus geleitet ist: „Illum oportet crescere – Er muss wachsen“ (Joh, 3,30).
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MMag. Elisabeth Katzdobler ist Pastoralassistentin im Pfarrverband Lammertal (Abtenau–Rußbach–Annaberg–Lungötz).