Kommentar zum Evangelium

„Auferstanden bin ich nun immer bei euch. Halleluja!“

Ostern ist das älteste und wichtigste Fest für uns Christen. Wer Paulusbriefe oder ein Evangelium aufmerksam liest, kann erkennen, dass dort die Auferstehung Jesu so drastisch verkündet wird, weil sie eben die Welt so verändert hat, dass man hinter Ostern nicht mehr zurück kann.

Schon um 100 n. Chr. gibt es klare Belege, dass sich die Christen vom Feiertag der Juden gelöst und dem Sonntag („dies solis“) eine zentrale Bedeutung gegeben haben, weil sie da den ersten Tag der Woche feierten in Freude, dass Christus von den Toten auferstanden ist und wiederkommen wird in Herrlichkeit. Somit hat der sich eingeschlichene Wunsch „schönes Wochenende“ für uns Christen keinen Sinn, weil wir am Sonntag nicht ein Ende, sondern den Aufbruch in die Ewigkeit feiern. Im Eröffnungsvers des Ostersonntags ist dieser Glaube einzigartig ausgedrückt: „Ich bin erstanden und bin immer bei dir. Du hast deine Hand auf mich gelegt. Wie wunderbar ist für mich dieses Wissen. Halleluja!“ Damit ist gesagt: Durch die Auferstehung Jesu Christi bist du mit deinem Leben aufgehoben und geborgen in der Liebe Gottes, der durch Christus den Tod besiegt hat. Seit Ostern glauben wir: Unser Leben ist kein Laufen zum Grab und zum Tod, sondern „auf dem Weg in die Freiheit ist der Tod das höchste Fest“ (Dietrich Bonhoeffer), weil wir die Schwelle des irdischen Lebens durchbrechen und in die Ewigkeit eintauchen, die weder Raum noch Zeit kennt, sondern das Sein bei Gott, dem Unfassbaren. Der hl. Athanasius hat im 4. Jh. in seinem Glaubensbekenntnis klar formuliert:

"Wir werden mit unseren Leibern auferstehen und über unsere Taten Rechenschaft ablegen."

Als die Christen begriffen, dass der springende Punkt unseres Lebens die Auferstehung ist, wurden Kirchen gebaut, geostet und um die Gotteshäuser Friedhöfe angelegt als Zeichen der Wachsamkeit für die Auferweckung.

Liebe Leser und Leserinnen! Ich werde oft gefragt, worin ich den Sinn meines seelsorglichen Wirkens sehe. Ich kann nur sagen: „Darin, dass ich in den Menschen den Glauben an die Auferstehung wecke, damit wir für unser Leben um das Ziel wissen, für das es sich zu leben lohnt! Wenn es Ostern nicht gäbe, wenn ich daran nicht glauben würde, dass Christus wahrhaft von den Toten auferstanden ist, könnte ich eher heute als morgen mein Messgewand ablegen und auch das Ordensgewand ausziehen. Denn ohne Ostern ist unser Feiern für die Katz, würde die Kirche ein Museum!“ „Nun ist aber Christus von den Toten auferstanden“ (Paulus) und somit sehe ich in Ostern den Dreh- und Angelpunkt meines Glaubens, für dessen Verkündigung ich mich bis an meinen eigenen Heimgang einsetzen möchte. Amen.

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P. Franz Lauterbacher OSB, Pfarrer in Salzburg-Mülln.