Kommentar zum Evangelium

„In deine Hände lege ich meine Seele“

2016 wird am Palmsonntag die Passion aus dem Lukas-Evangelium verkündet. Ich möchte Ihnen, liebe Leserschaft, für die Tage der Karwoche die letzten Worte Jesu am Kreuz ans Herz legen. Sie zeigen auf, welche Vergebungsbereitschaft, Barmherzigkeit und großes Gottvertrauen ER, der Leidende und Gekreuzigte, in seinem Sterben offenlegt. Es sind drei Worte, die uns der Evangelist überliefert:

1. „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“(Lk 23,34).
Es waren „unglückliche Umstände“ und mehrere verhängnisvolle Zusammenhänge, die dazu führten, JESUS in einem Schnell-Prozess das Urteil anzuhängen: Tod durch Kreuzigung. ER nimmt es auf sich als letztes großes Zeichen der Liebe. Und was er schon in der Bergpredigt angesprochen, das löst er jetzt ein: „Liebet eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen“ (Mt 5,44 EU). Die Karwoche ist sicher eine besondere Zeit, darüber nachzudenken: „Wem soll denn ich ,noch‘ vergeben!?“

„Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein!"

2. „Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“ (Lk 23,43)
Wir nennen ihn den rechten Schächer, eigentlich sind beide Mitgekreuzigten Verbrecher. Doch einem dürfte der barmherzige Blick Jesu besonders getroffen haben und in Gedanken versunken, mit seinem Leben einmal vor Gott zu stehen, bittet er den in der Mitte um ein Wort der Barmherzigkeit für seine letzten Stunden. Daraus wird eine Verheißung: Heute noch... Dank der Gnade und Liebe Gottes, wird auch er ins Paradies aufgenommen. Es ist wichtig, an seinen eigenen Heimgang zu denken, denn auch wir können vor Gott wohl nur dann bestehen, weil er uns einen liebenden Blick gewährt. Wäre schön, wenn wir solche Zeichen auch im Be- oder Urteilen über andere Menschen bereit hätten!

3. „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.“ (Lk 23,46).
Das Abendgebet gehört zu den wichtigsten Ritualen von uns Christen. Ich kenne viele Menschen, die kirchenkritisch oder sogar ausgetreten sind, aber jeden Tag abends beten. – „Ich möchte meine Haut im Blick auf Jesus heimbringen!“ – sagte einmal einer zu mir! Charles de Foucauld (dt. Bruder Karl von Jesus, Einsiedler, am 1. September 1916 in Tamanrasset erschossen) hat uns ein Gebet hinterlassen, das an dieses letzte Wort Jesu anknüpft.

Mein Vater, ich überlasse mich dir! Zu allem bin ich bereit! In deine Hände lege ich meine Seele; ich gebe sie dir, mein Gott, mit der ganzen Liebe meines Herzens, weil ich dich liebe, und weil diese Liebe mich treibt, mich dir hinzugeben, mich in deine Hände zu legen, ohne Maß, mit einem grenzenlosen Vertrauen; denn du bist mein Vater.
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P. Franz Lauterbacher OSB, Pfarrer in Salzburg-Mülln.