Kommentar zum Evangelium

Erleuchtet

Fastenzeit ist kein Zwang auf etwas zu verzichten, sondern die Chance zur Besinnung, ein Wahrnehmen, was in uns lebt und gelebt werden will. Das heutige Evangelium handelt auch von einem In-Sich-Gehen. Jesus zieht sich mit den Aposteln Petrus, Johannes und Jakobus zum Gebet auf einen einsamen Berg zurück. Die Ruhe ist ja die Voraussetzung, um zu sich zu finden und mit Gott in Kontakt zu kommen. Darum geht Jesus in den Evangelien immer wieder zum Gebet auf einen Berg und darum gehen auch heute noch so viele Menschen einen abgelegenen Pilgerweg oder eben in die Berge. Erst in der Stille und im Gebet kann sich zeigen, was in unserem Inneren auf uns wartet.

Im Evangelium ereignet sich jedoch etwas ganz Besonderes:

"Und während er betete, veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes, und sein Gewand wurde leuchtend weiß.“ (Lk 9,29)

Wie Menschen durch innere Ruhe und ein In-Sich-Gehen eine positive Ausstrahlung bekommen, so erstrahlt Jesus durch seine Begegnung mit Gott. Im Stadium dieser Erleuchtung erscheinen Moses und Elija als Vertreter des Gesetzes und der Propheten. Ihr Auftreten steht im engen Zusammenhang mit der Bestimmung Jesu, der das Gesetz und die prophetischen Weissagungen nach Gottes Willen vollendet hat. In der Verklärung wird deutlich: Jesus ist mehr, er ist größer als wir Menschen. Und dennoch geht er ganz bewusst den Weg der Menschen und wird daher zur Brücke zwischen Gott und seinen Geschwistern auf der Erde. Dieses Ereignis macht deutlich, dass wir am Ende unseres irdischen Daseins ein herrliches ewiges Leben im Angesicht Gottes erwarten dürfen. Diese Verheißung gibt also unserem irdischen Lebensweg einen Sinn.

Gerade das Mysterium der Erleuchtung können wir in Ansätzen auch heute feststellen. Dort, wo Menschen auf ihr Inners-tes hören, wo sie sich ernsthaft auf die Gegenwart Gottes einlassen, da geht für sie von diesem Inneren heraus ein Licht auf, da beginnt ihr Leben zu leuchten und sie gewinnen eine ganz neue Ausstrahlung. Das ist der eigentliche Sinn der Fastenzeit und nicht das Streben, Gewicht zu verlieren.
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Mag.a Maria Traunmüller, MA, Studienleiterin St. Virgil Salzburg. Foto: Wenghofer