Kommentar zum Evangelium

Gib Gott eine Chance!

„Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ – Wir brauchen Bilder, um unsere Emotionen, Erfahrungen und Erwartungen besser ausdrücken zu können. Ähnlich verhält es sich auch mit Gott: Wir haben ein leider oft allzu festgefahrenes Bild, wie Gott ist – oder wie er zu sein hat.

Jesus fragt seine Jünger: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ – aber zugleich fragt er auch mich: „Und du? Für wen hältst du mich? Rechnest du überhaupt mit mir in deinem Leben?“

Im heutigen Evangelium geht es um Bilder und die damit verbundenen Erwartungen, die Menschen von Jesus haben: Manche meinen, er sei Johannes oder Elija oder ein anderer Prophet. Propheten sind vor allem ein „Werkzeug“ Gottes, die die Aufgabe haben, Seine Weisungen den Menschen kundzutun. Petrus aber sagt: „Du bist der Messias Gottes.“ – Jesus verbietet ihnen streng (!), es jemand weiterzusagen, weil bei dem Begriff „Messias“ – der Gesalbte – so viele Hoffnungen mitschwingen: „Du bist der, auf den wir so lange gewartet haben, der uns aus der Unterdrückung befreit, der Gerechtigkeit herstellt…“ Bestimmt haben die Jünger nicht damit gerechnet, dass Jesus der ist, von dem es in der alttestamentlichen Lesung heißt: „Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben … und sie werden bitter um ihn weinen.“ ER mutet ihnen die Wahrheit über seinen Leidensweg zu und durchkreuzt so ihre vorgefertigten Bilder. ER fordert sie heraus, vermeintliche Sicherheiten aufzugeben, um ganz IHM nachzufolgen.

Glauben heißt also auch loslassen – Abschied nehmen von komfortablen Gottesbildern und Wellness-Glaube. Wer ist Gott für mich? Nur ein netter Mann mit Rauschebart, der irgendwo weit weg im Himmel sitzt und mit dem ich eigentlich nichts zu tun habe, oder ist ER der Herrliche, der Heilige schlechthin, der mein Leben trägt und es auch unerwartet durch-kreuzt? Der mich täglich neu überraschen und herausfordern möchte? Geben wir Gott in unserem Leben eine Chance – er will uns begegnen – ja er begibt sich sogar in die dunkelste Tiefe des Todes, damit wir das Leben in Fülle haben.  redaktion@rupertusblatt.at

Mag. Helene Czifra, Pastoralassistentin, derzeit in Karenz.