Kommentar zum Evangelium

Der Versuchung widerstehen

In unserer Umwelt begegnen uns ständig Werbeslogans, die uns zu immer mehr Konsum anregen wollen. Es verlangt Mut und Widerstandskraft, gegen den Strom zu schwimmen und sich dem Kaufrausch zu entziehen. Viel einfacher erscheint es, sich dem Mainstream anzuschließen, sich selbst zu verwöhnen, zu belohnen. Vielfach besteht die Ansicht, man könnte die innere Leere und diverse Sehnsüchte mit materiellen Produkten füllen bzw. stillen.
Die nun angebrochene Fastenzeit soll uns daran erinnern, dass bewusster Verzicht erleichternd, ja befreiend wirkt und den Blick klärt auf das Wesentliche. Schon im Evangelium weist Jesus darauf hin:

„Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.“ (Mt 4,4)

„Fasten“ bedeutet nicht bloß den Verzicht auf Nahrung, sondern es ist eine Phase, in der wir uns selbst davon befreien, unser Hauptaugenmerk auf Äußerlichkeiten zu legen, indem wir unsere inneren Werte neu entdecken lernen. In den Psalmen lesen wir von Gott, auf den wir uns verlassen können: „Wenn er mich anruft, dann will ich ihn erhören. Ich bin bei ihm in der Not.“ Und ich würde ergänzen, Gott ist bei uns auch in der Unübersichtlichkeit des Überflusses und das Hören auf sein Wort hilft uns, die Orientierungslosigkeit angesichts der Multioptionalität zu überwinden.

Gerade wenn wir der Versuchung widerstehen, alles erreichen und besitzen zu müssen und das am besten noch sofort, werden wir empfänglich für den Grund, der uns trägt, Jesus Christus. Jesus selbst wird angefochten. Doch er widersteht den Versuchungen. Dabei setzt er nicht sein Gottsein als Mittel ein, um seine Macht zu demonstrieren. Er bleibt ganz Mensch. Durch seinen unerschütterlichen Glauben an seinen Vater besteht er die Erprobung. Dieser Sieg Jesu über die Versuchungen des Bösen ist die Voraussetzung seines weiteren irdischen Wirkens und für uns eine vorbildhafte Haltung, die uns dazu anregt, aufmerksamer zu sein auf die Versuchungen, die uns begegnen und die uns letztlich nicht glücklicher machen.
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Mag.a Maria Traunmüller, MA, Studienleiterin St. Virgil Salzburg. Foto: Wenghofer