Kommentar zum Evangelium

Gottes Liebe stärkt

Jesaja, Paulus und die Ersten von Jesus berufenen Jünger haben in den heutigen Textstellen eines gemeinsam: starke Selbstzweifel! Jesaja fühlt sich verloren und unrein, ja unwürdig. Gott hält dennoch an seinem Plan fest und befreit ihn von Schuld und Sünde, sodass er seine Berufung schließlich annehmen kann. Ähnlich verhält es sich bei Paulus, der sich selbst als „Missgeburt“ und als den geringsten unter den Aposteln bezeichnet. Aber das Handeln Gottes an ihm hat ihn gewandelt und befähigt, zum Zeugen für Christus und seiner Heilsbotschaft zu werden. Dieses große Vertrauen auf Gott mündet in Paulus innerstem Bekenntnis:

"Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin, und sein gnädiges Handeln an mir ist nicht ohne Wirkung geblieben.“ (1 Kor 15,10)

Auch Simon Petrus fühlt sich anfangs im Angesicht Jesus und der von ihm ausgehenden Wirkkraft nicht würdig. Das Handeln Jesu versetzt ihn in Staunen und Erschrecken. Doch seine anfänglichen Selbstzweifel werden zerstreut durch das starke Zutrauen, das Jesus ihm entgegenbringt. Diese göttliche Zusage bewirkt bei allen dreien letztendlich die Bereitschaft, ihr Leben neu auszurichten, ihre Berufung anzunehmen. Gerade in der heutigen von Leistung und Erfolg geprägten Gesellschaft, in der das Konkurrenzdenken Druck auf die Einzelnen ausübt, stehen Selbstzweifel bei vielen auf der Tagesordnung. Permanent begleitet von der Angst, man könnte versagen oder der/die andere könnte besser, schneller, origineller und leistungsfähiger sein, als man selbst.

Die heutigen Perikopen zeigen auf, dass gerade der Glaube und das Vertrauen auf die Gnade Gottes uns stärkt und zu neuem Selbstvertrauen führt, sodass wir mit den Anforderungen, vor die wir gestellt sind, besser umgehen lernen und aus ganzem Herzen sagen können: „Hier bin ich, sende mich!“
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Mag.a Maria Traunmüller, MA, Studienleiterin St. Virgil Salzburg. Foto: Wenghofer