Kommentar zum Evangelium

Liebe siegt, sie hört niemals auf

Das vorliegende Evangelium knüpft an das von letztem Sonntag an. Jesus kommt in seine Heimat nach Nazaret. Dort geht er in die Synagoge und liest einen Abschnitt aus dem Prophetenbuch Jesaja vor, in dem es heißt: „Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe.“ Diese Stelle bezieht Jesus auf sich und er legt den Menschen dar: „Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.“
Die Zuhörer staunen, ja sie sind begeistert über seine Rede. Doch dann kommt die erste Anfrage, die Zweifel zulässt: „Ist das nicht der Sohn Josefs?“ Vielleicht denken sie: Wenn er der Sohn Josefs ist, dann kennen wir ihn ja.

Die folgenden Reaktionen zeigen jedoch, dass sie ihn nicht kennen, und dass sie nicht wissen, wer er wirklich ist.
Aus dem Zweifel entsteht Wut, und aus der Wut entstehen die Absicht und das Verlangen Jesus zu töten, ihn den Abhang des Berges hinabzustürzen, doch seine Stunde, die Stunde seines Todes am Kreuz, ist noch nicht gekommen. Im Evangelium heißt es: „Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg.“

Das Evangelium dieses Sonntags zeigt die Richtung an, die Jesus gehen wird.

Es zeigt die Richtung an, deren Ziel Jerusalem ist, der Ort, wo er verraten, gegeißelt, verspottet und verhöhnt werden wird; der Ort, wo Jesus gekreuzigt werden wird. Diesen Weg geht er freiwillig, um die Menschen von allem Hass und aller Lieblosigkeit zu erlösen und sie zu Gott zurückzuführen.

Im Evangelium schwenkt die Stimmung der Menschen um. Brutalität macht sich breit. Wo sich Menschen von der Liebe Gottes entfernen, breitet sich die Dunkelheit der Sünde aus. Bis heute leidet Christus in unseren Brüdern und Schwestern. Christen und Christinnen werden an verschiedenen Orten dieser Welt verfolgt, misshandelt und getötet.
Doch alle Verfolgung und aller Hass haben dort ein Ende, wo die Liebe siegt. Wie es der heilige Paulus im ersten Brief an die Korinther formuliert hat, lässt sich die Liebe nicht zum Zorn reizen, sie trägt auch das Böse nicht nach. Die Liebe, deren Ursprung Gott selbst ist, freut sich an der Wahrheit, sie ist voller Güte und hört niemals auf.
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MMag. Christian Hödlmoser ist Priester und Mitarbeiter im diözesanen Referat Berufungspastoral