Kommentar zum Evangelium

Im Heute Gottes leben

Das Heute Gottes ist ein anderes Heute als das unsrige. Wenn wir „Heute“ sagen, dann meinen wir den Tag, den wir gegenwärtig erleben. Im Heute begegnen wir Menschen. Im Heute sind Aufgaben zu bewältigen, die einmal schwerer, einmal leichter von der Hand gehen. Das Heute Gottes ist ein anderes:

Wenn Jesus im Evangelium sagt: „Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt“, dann sind in dieses Heute alle Menschen an allen Orten und zu allen Zeiten miteinbezogen. Jeder von uns ist hineingenommen in die Heilsgeschichte Gottes. Gott will die Menschen an seinem Glück und an seinem Heil teilhaben lassen. Er will sich den Menschen zuwenden. Dieses Entgegenkommen Gottes ereignet sich in höchstem Maße in der Menschwerdung seines Sohnes, der in das Heute der Menschen eintritt, um sie mit dem Heute Gottes vertraut zu machen.
Wenn Jesus nach Nazareth kommt, am Sabbat in die Synagoge geht, aus der Heiligen Schrift vorliest und sagt: „Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt“, dann meint er nicht nur diesen einen Sabbat vor 2000 Jahren.

Im Heute Gottes bist du, der du in diesem Moment diese Zeilen liest, miteinbezogen. Du bist von Jesus angesprochen!

Damals hat Jesus schon an dich gedacht; er hat an alle Menschen gedacht, denn er ist zu allen gekommen.
Wir gehören dem Heute Gottes, dem Heute des Heils, das in Jesus Christus zu finden ist, und nur in ihm, weil er Gottes Sohn ist. Dieses Heute sagt er auch zu einem Mann, der mit ihm gekreuzigt wird: „Amen, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ (Lk 23,43). Jesus verwirklicht im Heute Gottes sein Programm: Er bringt den Armen die gute Nachricht; er verkündet den Gefangenen die Entlassung; er bringt den Blinden das Augenlicht; er setzt die Zerschlagenen in Freiheit und er ruft ein Gnadenjahr des Herrn aus.
Im Heute Gottes zu leben heißt Gott das ganze Leben anzuvertrauen: das vergangene, das gegenwärtige und das zukünftige. Im Heute Gottes zu leben heißt dankbar auf das zu blicken, was Gott uns jeden Tag von Neuem schenkt. 
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MMag. Christian Hödlmoser ist Priester und Mitarbeiter im diözesanen Referat Berufungspastoral