Kommentar zum Evangelium

Gott will uns verwandeln

Wann haben Sie das letzte Mal getanzt? Vielleicht hie und da oder nur einmal im Jahr oder zu einem besonderen Anlass? Tanz als körperlicher Ausdruck einer inneren Freude ist bei uns fast ganz aus dem Alltagsleben verschwunden.
Aber nicht nur die sichtbare Freude, auch die Verzweiflung, die einen Menschen angesichts eines Schicksalsschlags überkommt, ist oftmals nicht zu sehen. Wir haben gelernt, Haltung zu bewahren. Von beiden Emotionen – sowohl von tiefer Trauer als auch von großer Freude, lesen wir in den Texten zum heutigen Sonntag. Da ist die Witwe, die in ihrer Verzweiflung den großen Propheten Elija beschimpft und die weinende Mutter in Nain, die um ihren toten Sohn trauert. Doch in diesen Situationen der scheinbaren Gottverlassenheit ist ER präsent.

Gott hat Mitleid mit uns – er lässt sich von unserem Leid berühren und wandelt es durch seine Gegenwart.
ER geht in die Abgründe unseres Daseins mit
und will genau dort neues Leben ermöglichen. 

Sowohl in der alttestamentlichen Lesung als auch im heutigen Evangelium geht es um eine Totenerweckung. In beiden Situationen wird uns die Sinnlosigkeit der menschlichen Sprache angesichts einer großen Leiderfahrung vor Augen geführt. Doch Gott ist genau dort, wo wir es am wenigsten vermuten. Während Elija nur der Mittler des göttlichen Handelns ist, indem er in der verborgenen Kammer betet und sich über den Toten beugt, ist es im Evangelium Jesus selbst, der in aller Öffentlichkeit und in Vollmacht spricht: „Steh auf!“. ER ist der Herr über Leben und Tod, der tröstet, aufrichtet und verwandelt.
Gott will auch uns verwandeln – unsere Klage in Tanz, unsere Trauer in Freude und unseren Tod in Leben. Das ist kein diffuser Zauber, sondern eine Gewissheit, die mein Leben trägt. „Denn du hast mich aus der Tiefe gezogen“, so singt der Psalmist. Auch wir sind manchmal wie tot, aber Gott ist es, der uns lebendig macht. ER will uns täglich neu mit seiner Gegenwart erfüllen, darum „singt und spielt dem Herrn … preist seinen heiligen Namen!“. Wir dürfen einstimmen in den Lobpreis Gottes und uns darf man die Freude darüber getrost anmerken.
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Mag. Helene Czifra, Pastoralassistentin, derzeit in Karenz.