Kommentar zum Evangelium

Regt sich in mir das Mitleid?

 

Das Gleichnis im Evangelium erzählt uns von einem Schwerverletzten, der dringend Hilfe braucht. Vom Priester und vom Leviten heißt es jedes Mal: „Er sah ihn und ging weiter!“ Beim Samariter hingegen: „Als er ihn sah, hatte er Mitleid!“ – Solange hinsehen, bis sich im Herzen das Mitleid regt, ist etwas anderes als ein flüchtiger Blick: Hirnforscher haben festgestellt, dass persönlich erfahrener Schmerz oder persönlich erfahrene Angst im Körper eine sofortige Reaktion auslösen, während es bei fremdem Leid oder Unglück ein acht Sekunden langes Hinschauen braucht, bis sich in uns das Mitleid regt! Nehmen wir uns gegebenenfalls diese Zeit? Ein positives Erlebnis dazu ist mir lebhaft in Erinnerung: Nachdem ich in Ried/OÖ mein Auto an einem Parkplatz abgestellt hatte, machte ich mich zu Fuß auf den Weg, das dortige Heimatmuseum zu besuchen. Gut beschildert, kam ich rasch ans Ziel. Der Rückweg zum Auto bereitete mir erheblich mehr Probleme: Wo genau stand es? Am Parkplatz eines Einkaufszentrums sprach ich eine Frau an und bat sie um Hilfe. Sie stellte die Einkaufstasche neben ihr ab und hörte mir aufmerksam zu. Hernach bot sie mir an, in ihr Auto einzusteigen und gemeinsam auf die Suche zu gehen. Nach einigem Kreuz und Quer durch Ried war mein Fahrzeug endlich gefunden. Erleichtert und von Herzen dankbar, verabschiedete ich mich von dieser mir bislang unbekannten Helferin ...

 

Erst wenn wir acht Sekunden lang auf fremde Not hinschauen, regt sich in uns das Mitleid!

 

Bleiben wir aber nicht bei dieser Erkenntnis stehen; beziehen wir bei diesem so wichtigen Thema die Barmherzigkeit Gottes mit ein. Papst Franziskus führt dazu aus: „Das griechische Wort, mit dem das Mitleid bezeichnet wird, wurde aus einem Begriff gebildet, der für Mutterleib steht, für Eingeweide. Es ist wie die Liebe eines Vaters oder einer Mutter, die sich zutiefst um ihr Kind sorgen, eine Liebe ganz aus dem Bauch heraus ... Genau dieses Mitleid brauchen wir heute, um der Globalisierung der Gleichgültigkeit Einhalt zu gebieten.“
Welche Zeitspanne ist nötig, damit Gottes Barmherzigkeit in seinem Wort in uns wirksam wird? Jede und jeder wird selber erkennen müssen, wie lange es braucht, bis sich im eigenen Herzen etwas rührt, das von Gott her kommt ... Gönnen wir uns diese Zeit: Gott und den Nächsten zu lieben wie sich selbst – darauf kommt es an! redaktion@rupertusblatt.at