Konzil ist eine Belastungsprobe

Von den aktuellen innerorthodoxen inhaltlichen und kirchenpolitischen Differenzen, die rund um das Panorthodoxe Konzil deutlich wurden, sei auch der katholisch-orthodoxe Dialog mitbetroffen.

Würzburg/Heraklion. Darauf hat der Orthodoxie-Experte und Pressesprecher der ökumenischen Stiftung „Pro Oriente“, Erich Leitenberger, hingewiesen. Leitenberger sprach von einer „Belastungsprobe“ für die Ökumene, wobei sich die katholische Seite zweifellos „vor Besserwisserei hüten“ und für eine „Haltung respektvoller Solidarität“ optieren werde. Ein Nebeneffekt bestehe zudem zweifellos darin, „dass man das Thema Synodalität umfassender wird sehen müssen, als dies bisher geschehen ist“. Es gebe zwischen dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel und dem Patriarchat von Moskau Spannungen, räumte Leitenberger ein. Die eigentlichen Bruchlinien verliefen aber anders, nämlich in der Haltung zum Ökumenismus, der für die Radikalkonservativen die „Grund- und Haupthäresie der Gegenwart“ darstellt. Wie Leitenberger unterstrich, richte sich die Kritik der Unzufriedenen in gleicher Weise gegen den Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. und wie auch den Moskauer Patriarchen Kyrill. In beiden Fällen seien auch deren Begegnungen mit Papst Franziskus in Jerusalem beziehungsweise in Havanna Motiv scharfer Angriffe gewesen.

Diese Ökumene-Bruchlinien innerhalb der Orthodoxie seien jetzt deutlich sichtbar geworden, sie müssten bearbeitet werden, forderte Leitenberger. Der Vorschlag des Bukarester Patriarchen Daniel (Ciobotea), in regelmäßigen Abständen Panorthodoxe Synoden zu halten, sei in diesem Zusammenhang zu sehen. Mit einer feierlichen „Göttlichen Liturgie“ (Eucharistie-feier) zum orthodoxen Pfingstfest ist am Sonntag in Kretas Hauptstadt Heraklion das seit Jahrzehnten vorbereitete Panorthodoxe Konzil eröffnet worden. Ohne konkret auf die aktuellen innerorthodoxen Konflikte einzugehen, erklärte der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., es genüge nicht, die Einheit auf einer theoretischen Ebene zu behaupten, sondern es bedürfe auch einer Antwort auf der praktischen Ebene, an der es derzeit bedauerlicherweise fehle.
kap

Erste Sitzung des Panorthodoxen Konzils in der orthodoxen Akademie in Chania, v. l.: Der griechisch-orthodoxe Patriarch Theodoros II.; der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel und der Jerusalemer Patriarch Theophilos III. (1. Reihe). Foto: KNA