Koreanische Friedensspiele?

Olympia. Am 9. Februar ist Startschuss für die Olympischen Winterspiele in Südkora. Für die Athleten aus aller Welt geht es dann auf der geteilten Halbinsel um Medaillen und Platzierungen.  Seit kurzem steht fest, es sind Sportler aus dem Norden dabei. Johannes Sung won Shin setzt auf die verbindende Kraft des Sports. Der Priester aus Salzburgs südkoreanischer Partnerdiözese Daegu hofft auf „Spiele des Friedens“. 

RB: Freuen sich die Menschen auf Olympia? Welchen Stellenwert hat Wintersport im Land?

Johannes Shin: Die Freude ist groß. Es haben sich viele Freiwillige gemeldet, die zum Beispiel Übersetzungsdienste leisten. Es gab im Vorfeld aber auch Proteste von Umweltschutzorganisationen. Für die Alpinbewerbe mussten Bäume abgeholzt werden. Andere fragen: Was passiert mit den Sportstätten nach Olympia? Ist eine nachhaltige Nutzung möglich und für die Bevölkerung leistbar? Wintersport ist allgemein sehr populär, vor allem Schifahren. Früher konnten sich diesen Sport nur wenige leisten, das hat sich geändert. Beliebt sind noch Short-Track, Eisschnelllauf und natürlich Eiskunstlauf. Kim Yu-na hat 2010 Olympia-Gold gewonnen und ist ein großer Star. Sie ist Katholikin und bekennt ihren Glauben öffentlich. Wenn sie das Eis für einen Wettkampf betreten hat, küsste sie ihren Rosenkranz-Fingerring. In Pyeongchang ist sie allerdings nicht mehr aktiv, sie hat ihre Karriere beendet. 

RB: Nur 80 Kilometer von Pyeongchang entfernt verläuft die streng bewachte Grenze. Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un versetzt die Welt mit Raketentests in Angst. Wie leben die Südkoreaner mit dieser Bedrohung? 

Johannes Shin: In Europa war die Lage in den vergangenen Monaten häufig in den Nachrichten. Doch die Grenze ist schon seit mehr als 60 Jahren geschlossen. Wir haben ständig gehört, was Nordkorea machte. Für uns ist das nichts Neues. An den Spielen nehmen nordkoreanische Sportler teil, das ist eine Chance. Olympia ist die Gelegenheit, dass sich Menschen aus aller Welt treffen, sich austauschen und zeigen: „Wir kommen gut miteinander aus.“ Sport steht für Freiheit und Friede.   

RB: Wie ist die Haltung der Südkoreaner zu einer Wiedervereinigung? Was kann die Kirche zum Friedensprozess beitragen?

Johannes Shin: Vor zwei Jahren haben einige südkoreanische Bischöfe Nordkorea besucht. Das ist momentan nicht vorstellbar. Das Klima ist wieder kälter. Deshalb gibt es derzeit auch keine Verwandtentreffen. Der Krieg hat Millionen Menschen von ihren Angehörigen getrennt. Viele sind verstorben, ohne die Möglichkeit eines Wiedersehens. Zu einer Wiedervereinigung haben sich im Laufe der Jahre mehrere Meinungen gebildet. Aber die meisten Menschen in meiner Heimat möchten beide Koreas vereint sehen. Auch ich möchte das noch erleben. Die Kirche setzt sich für den Frieden ein; wir beten in den Gottesdiensten für die Menschen in Nordkorea.

RB: Die Kirche in Südkorea wächst und gilt als jung und lebendig. Nimmt man Katholiken und Protestanten zusammen, sind Christen die größte Religionsgemeinschaft. 

Johannes Shin: Wir haben rund 31 Prozent Christen – 11 Prozent davon sind Katholiken. Eine große Rolle spielt nach wie vor der Konfuzianismus, wobei er nicht als Religion, sondern vielmehr als Philosophie, Denk- und Lebensweise angesehen wird. Darunter versteht man Werte wie Respekt vor älteren Menschen und das In-Ehrenhalten der Ahnen. 

Nach meiner Priesterweihe war ich in einer Pfarre zwei Jahre als Kaplan tätig. Es gab verschiedenste Jugendangebote wie Sommercamps. Im Winter sind wir zum Schifahren – abends haben wir dann über den Glauben gesprochen. Kinder und Jugendliche, die an solchen Aktivitäten teilnehmen, verbinden mit der Kirche positive Erinnerungen. Daran gilt es dann anzuknüpfen. 

RB: Die Diözesen Salzburg und Daegu sind seit 50 Jahren miteinander verbunden. Was bedeutet diese Partnerschaft?

Johannes Shin: Zunächst einmal ist da eine große Dankbarkeit. Den 6. Jänner feiern wir wie in Salzburg als den Tag der Partnerschaft. In den Pfarrgemeinden werden Fürbitten für die Partnerdiözese Salzburg verlesen. Was uns verbindet ist das Evangelium, wir teilen denselben Schatz des Glaubens. Ich bin überzeugt, diese Partnerschaft ist eine Chance für beide Seiten, den eigenen Horizont zu erweitern und voneinander zu lernen. Schön sind die Jugendbegegnungen. Im Sommer fliegen wieder junge Menschen aus Salzburg nach Daegu. Das Programm vor Ort organisieren jene Jugendliche, die 2016 in Salzburg zu Besuch waren.

Foto (ibu): Johannes Sung won Shin ist 1980 in Daegu geboren und wurde 2008 zum Priester geweiht; nach zwei Jahren als Kaplan kam er nach Salzburg, um hier Fundamentaltheologie zu studieren. Olympia sieht er als Chance. „Der Sport kann Menschen verbinden.“ An den Wettbewerben nehmen auch nordkoreanische  Athleten teil. Weil es keinen Friedensvertrag gibt, befinden sich die beiden Koreas offiziell noch immer im Kriegszustand.