Kraft des Miteinanders

Der Weltgebetstag verbindet Frauen überall auf der Welt. Für die Salzburgerin Brigitte Zinnburg hat das „informiert beten und betend handeln“ eine große Kraft. Zinnburg ist Vorsitzende des WGT in Österreich. Sie feiert am Freitag, 3. März, 18.00 Uhr, im Dom – „hoffentlich mit vielen anderen Frauen und natürlich Männern, Kindern und Jugendlichen, alle sind eingeladen“. 

RB: Welche persönliche Beziehung haben Sie zum Weltgebetstag? Was ist das Faszinierende?

Brigitte Zinnburg: Der Weltgebetstag fällt stets auf den ersten Freitag im März und wird in mehr als 170 Ländern gefeiert. Wenn ich an diesem Tag in der Früh aufstehe, denke ich mir: Irgendwo auf der Welt wird schon gebetet und in der Nacht gehe ich mit demselben Gedanken schlafen. Die Liturgie aus dem jeweiligen Schwerpunktland ist wie ein Brief an uns alle; wir beten nicht für, sondern mit den Frauen – das hat eine spezielle Kraft. Zum ersten Mal erlebt habe ich den WGT in der Pfarre, irgendwann wurde ich in den ökumenischen Arbeitskreis eingeladen, dann in den Vorstand gewählt und vergangenes Jahr auf Österreichebene zur Vorsitzenden. Fasziniert hat mich von Anfang an das weltweite Miteinander. Das ist etwas Einzigartiges.    

 
RB: Frauenorganisationen christlicher Kirchen und Gemeinschaften tragen in Österreich den Gebetstag. Gibt es Beziehungen, die über diesen Tag hinaus gewachsen sind? 

Brigitte Zinnburg: Gerade in Salzburg sind wir ökumenisch sehr gut aufgestellt und verbandelt. An der Basis funktioniert das Miteinander, es geht um die gemeinsame Sache. Das gilt für den Weltgebetstag und darüber hinaus. 2018 etwa soll es einen ökumenischen Frauentag geben. Es ist spannend, die Spiritualität der anderen noch besser kennen zu lernen. Für mich persönlich gilt sowieso: gelebte Ökumene von  Geburt an. Ich bin evangelisch. Zur Welt gekommen bin ich aber in einer katholischen Privatklinik und gelernt habe ich dann später in einer Pflegeschule der Methodisten in Frankfurt.

RB:  WGT-Schwerpunktland sind heuer die Philippinen. Wer bestimmt, welches Land in welchem Jahr im Mittelpunkt steht?

Brigitte Zinnburg: Das wird immer Jahre voraus bei der Weltkonferenz ausgemacht. Auf dieser Bühne werden Themen und Länder gesammelt. Interessant ist, dass die Themen schließlich den Ländern zugelost werden und das passt eigentlich immer gut wie das Beispiel heuer zeigt. Thema der Philippinen ist nämlich Gerechtigkeit. Die vergangenen Jahre zeigten auch, wir sind stets am Puls der Zeit. Ägypten, Kuba und jetzt die Philippinen – wir haben immer Länder, die im Umbruch und in der Weltöffentlichkeit stehen. 

 
RB: Heuer zieht der WGT in den Salzburger Dom ein. Wie wird die Feier aussehen? 

Brigitte Zinnburg: 2017 ist ein besonderes Jahr, nicht nur für die evangelischen Christen, sondern auch für den Weltgebetstag: 130 Jahre seit den Anfängen des WGT in Nordamerika, 90 Jahre weltweite Feiern und 65 Jahre WGT in Österreich (Salzburg und Wien). Gründe genug, „groß“ im Dom zu feiern. Beginnen wollen wir mit dem Einzug der mitwirkenden Pfarren aus dem Flachgau-Süd, Tennengau und der Stadt. Schön ist es, dass philippinische Frauen in die Liturgie eingebunden sind. Sie sind es auch, die uns dann im Foyer des Bischofshauses bei der Agape mit Köstlichkeiten aus ihrer Küche verwöhnen.

 
RB: Ein sichtbares Zeichen der Solidarität ist die Förderung von Frauenprojekten durch die Kollekte. Wohin geht das Geld?

Brigitte Zinnburg: Wir haben weltweit Projekte, auch in Österreich, vorwiegend geht es dabei um Frauen und um Hilfe zur Selbsthilfe. Wichtig sind natürlich alle, doch eines liegt mir sehr am Herzen. In Nepal setzen wir uns gegen Gewalt und Menschenhandel ein.  


RB: Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Weltgebetstages?

Brigitte Zinnburg: Die Basis ist so verwurzelt, es geht sicher gut weiter. Wichtig ist uns, dass wir als Organisation wahrgenommen werden, dass in den Pfarren und Gemeinden auf die Frauen und ihr Engagement geschaut wird. 

Foto (ibu): Brigitte Zinnburg trägt den ökumenischen Weltgebetstag der Frauen immer mit sich – im Herzen und in Form einer Halskette mit dem WGT-Symbol. Die Ecken stehen für Menschen, die aus den vier Himmelsrichtungen zum Beten und Feiern zusammenkommen. Der Kreis ist die Welt, auf der wir gemeinsam unterwegs sind und die wir durch solidarisches Handeln gestalten.

Hintergrund

Der Weltgebetstag ist eine weltweite Basisbewegung christlicher Frauen. Ziel ist es, durch Beten und Handeln Zeichen der Solidarität zu setzen und Not zu lindern. In Österreich tragen Frauenorganisationen christlicher Kirchen und Gemeinschaften den ökumenischen Weltgebetstag der Frauen, der immer am ersten Freitag im März gefeiert wird. Das Nationalkomitee setzt sich aus den ökumenischen Teams in den Regionen zusammen. Brigitte Zinnburg (evang. AB) aus Salzburg wurde 2015 für drei Jahre zur Österreich-Vorsitzenden gewählt. Ihre Anliegen sind die Weiterentwicklung des WGT, die Stärkung der Basis und die Weitergabe der WGT-Begeisterung an die nächsten Generationen.