Kreislauf der Gewalt brechen

USA.  „Die sinnlose Gewalt ist herzzerreißend“, so der katholische Bischof von Dallas, Kevin Farrell. Er rief zum Gebet für die ermordeten Polizisten sowie für die beiden bei Polizeieinsätzen in Minnesota und Louisiana getöteten Afroamerikaner auf. 

Dallas/El Paso. Diese sinnlose Gewalt im Land betreffe alle Amerikaner, betonte Bischof Farrell. Die Vereinigten Staaten bräuchten „Heilung und Frieden“. Während einer Kundgebung gegen Polizeigewalt tötete ein Heckenschütze in Dallas fünf Polizisten. In der texanischen Metropole hatten wie in anderen US-Städten Menschen gegen die  Polizeigewalt gegen Afroamerikaner protestiert. 

Der katholische Bischof von El Paso, Mark Seitz, warnt vor einer noch stärkeren Bewaffnung der Be-völkerung. „Die Versuchung angesichts dieser Gewalt liegt darin, uns weiter zu bewaffnen und unsere Gesellschaft weiter zu militarisieren“, so Seitz.  „Je mehr Waffen es in unseren Kommunen gibt, umso öfter wird auf Waffen in Zeiten von Ärger und Stress zurückgegriffen werden – mit langfristigen Folgen“,  erklärte Seitz, der in Dallas einst Weihbischof war. Der Geistliche fügte hinzu: „Mehr denn je glaube ich, dass nur Liebe den Kreislauf der Gewalt durchbrechen kann.“ 

Appell an Einheit der Nation  

Die jüngsten Ereignisse legen offen wie brüchig das Fundament des Landes ist und dass Rassismus  keineswegs der Vergangenheit angehört. Dabei bereitete Präsident Abraham Lincoln der Sklaverei bereits 1865 mit einem Verfassungszusatz förmlich ein Ende. Die Rassentrennung blieb jedoch vielerorts bestehen – in Gaststätten, Toiletten oder Bussen. Massiver gesellschaftlicher Widerstand regte sich erst in den 1950er und 60er Jahren. Ein Gesetz von 1964, der „Civil Rights Act“, hob die Rassentrennung auf.    

Rund 40 Jahre vergingen, bis Barack Obama 2009 zum ersten schwarzen US-Präsidenten gewählt wurde. Sein Amtsantritt sollte endgültig das Ende rassistischer Vorfälle markieren. Diese Hoffnung erfüllte sich nicht. Wenngleich Obama vergangenen Samstag beim Nato-Gipfel in Warschau unterstrich:  „Amerika ist nicht so gespalten, wie manche es dargestellt haben. Es gibt Kummer, es gibt Wut – aber es gibt Einheit“, mahnte er das Zusammenstehen der Nation ein.     

kap/ibu

Bild (ibu): Freiheit, Gleichheit und unbegrenzte Möglichkeiten. Darauf berufen sich die USA gerne und Miss Liberty (im Bild) ist dafür das Symbol schlechthin. Auf der anderen Seite steht jener Rassismus, dem vor allem Schwarze bis heute kaum entkommen können.  Eine Woche der Gewalt hat die Rassismus-Debatte in den USA neu angeheizt. Innerhalb weniger Tage wurden zwei Schwarze bei Polizeieinsätzen getötet. Kurz darauf hatte ein Afroamerikaner in Dallas fünf Po-lizeibeamte erschossen.