Lachen ist Lebensfreude

Ferien. Lachen kann ein krankes Kind nicht wieder gesund machen. Lachen kann keine Kriegserlebnisse auslöschen. Aber Lachen kann Schmerzen lindern, die Genesung fördern und Lebensfreude aktivieren. Gemeinsames Lachen und Spaß waren in drei Salzburger Ferienwochen für eine zehnköpfige Kindergruppe aus der Ukraine an der Tagesordnung.  Organisiert haben den Aufenthalt Global 2000 und engagierte Menschen rund um Martina Hammerer-Kastner, Lehrerin am Privatgymnasium der Herz-Jesu-Missionare in Salzburg-Liefering. 

Salzburg. 2.500 Kinder in 22 Jahren. Das ist die „Bilanz“ von Global 2000. Die Organisation ermöglicht mit den Österreich-Ferien eine Auszeit für ukrainische Mädchen und Buben, die nach wie vor an den Spätfolgen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl leiden oder die aufgrund des Bürgerkriegs traumatisiert sind. „Aus den Ferien nehmen sie neuen Lebensmut mit nach Hause“, betont Projektverantwortliche Eva Neuper. 

Bondeko springt als Quartiergeber ein

In den Medien ist der seit vier Jahren anhaltende Krieg in der Ostukraine immer seltener ein Thema. Doch der Alltag ist für die Menschen in diesem vergessenen Konflikt nach wie vor ein Überlebenskampf. „Die Tage in Österreich sind für die Kinder immens wichtig, weil sie zur Ruhe kommen und wieder Hoffnung schöpfen“, weiß Neuper. In der Salzburger Pädagogin Martina Hammerer-Kastner hat die Global-2000-Mitarbeiterin eine perfekte Partnerin gefunden. Eigentlich wollte diese mit ihrer Familie ein oder zwei Kinder aufnehmen. „Dann sind es zehn geworden sowie zwei Lehrerinnen und eine Dolmetscherin als Begleiterinnen – das sprengte meine Kapazitäten.“ Für eine dreizehnköpfige Gruppe musste also ein anderes Quartier gefunden werden. Das Bondeko in Salzburg-Liefering sprang ein. „Wir verstehen uns als Begegnungszentrum für die ,Eine Welt‘ und unser Haus ist offen“, unterstreicht Leiter Mathieu Lobingo, der sich wie selbstverständlich in die Helfer-Schar einreihte. 

„Das war wirklich großartig. So viele Leute haben gespendet und sich eingebracht, damit die Mädchen und Buben eine schöne Zeit haben.Wir waren zu einer Theateraufführung in der Volksschule Liefering, im Kindergarten Baldehof zum Spielen, ein Bildhauer hat uns in sein Atelier eingeladen, wir erlebten eine Zirkusvorstellung, besuchten die Festung und Mozarts Wohnhaus… die Lieferinger Schützen kochten für alle und Schulklassen aus dem Privatgymnasium der Herz-Jesu-Missionare haben abwechselnd Frühstück für unsere ukrainischen Gäste vorbereitet.“ Hammerer-Kastner könnte die Aufzählung von Aktivitäten und Unterstützern noch lange fortsetzen. Eines ist ihr noch besonders wichtig: „Fast jedes der Kinder hat Probleme mit den Augen. In Salzburg durften sie zur Untersuchung in die Augenklinik und Mirabell-Optik hat sie mit neuen Gläsern und Fassungen ausgestattet. Danke dafür.“ 

21 Tage verändern Kinderleben

Der Heimatort der ukrainischen Feriengäste ist Rubeshnoe, nur 60 Kilometer von der Front entfernt. „Die Kinder wohnen unter der Woche in einem ,sozialen Waisenhaus‘. Das heißt, sie haben zwar Eltern, aber das Einkommen reicht nicht aus für das tägliche Leben“, erzählt Martina Hammerer-Kastner. Sie berichtet auch, dass in der Schule und im Heim zahlreiche blinde und sehbehinderte Mädchen und Buben liebevoll betreut werden.

Die Anreise nach Salzburg dauerte 28 Stunden und die Route führte durch sieben Militärsperren. „Doch die Kinder haben sich schnell von den Reisestrapazen erholt und sind richtig aufgeblüht.“ Drei Wochen konnten die Sieben- bis Elfjährigen in Ruhe und Frieden schlafen, gesund essen, in der Natur toben und vor allem miteinander und mit ihren neuen Freundinnen und Freunden Spaß haben. Ihre Dankbarkeit formulieren die Mädchen und Buben so: „Die Menschen in Salzburg haben ein großes Herz. Wir wünschen uns, dass wir auch in der Ukraine in Ruhe einschlafen und glücklich sein dürfen. Wir sind gegen Krieg und wünschen allen Leuten Frieden, Glück und ein gutes Leben.“ 

Fotos (ibu): Mit einem Tanz gratulieren die ukrainischen Feriengäste dem Bondeko zum 30. Geburtstag. Das Begegnungszentrum in Salzburg-Liefering war Quartiergeber für die Mädchen und Buben und genau in den dreiwöchigen Aufenthalt der Kinder fiel die Bondeko-Jubiläumsfeier.